Veröffentlicht in Allgemein, Mobilität

Tag 22: Die Zukunft fährt elektrisch!

Danke für den Staffelstab Karin! Ich kann deinen Ansatz „Kleinvieh macht auch Mist“ nur unterstreichen. Viele kleine Dinge sind oft leichter umzusetzen, da ist die Investition und der Schweinehund nicht so groß…am Ende macht CO2-Sparen dann auch noch Spaß! So zum Beispiel mit mehrwegfähigen „Coffee-to-go“-Bechern aus Pflanzenkunststoff, die kommen einfach in die Spülmaschine, sind stapelbar und der mobile Kaffeegenuss schmeckt nicht mehr nach Pappe sondern wieder nach Lieblingsbohne.

dominik_01Mein Name ist Dominik Bigge, ich bin seit 2013 Klimaschutzmanager im Landkreis Forchheim. Mobilität ist heute mein Thema. Ähnlich wie es den anderen Geographen geht, ist bei mir das Handlungsfeld auch etwas komplexer oder herausfordernder und somit ein größerer Brocken in der persönlichen CO2-Bilanz. Das betrifft nicht nur das Reisen in der Freizeit, sondern auch das Pendeln aus dem ländlichen Raum nach Forchheim. Ein suburbaner Lebensstil im Einfamilienhaus ist eigentlich Horror für den Klimaschutz…

 

E-Mobilität als Chance für den Alltag

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Stromnaschen an einem eisigen Wintermorgen

Für meine Alltagsmobilität (z.B. Arbeitspendeln) versuche ich möglichst viel elektrisch zu fahren. Die ÖPNV-Alternative dauert leider 1,5 Stunden einfach. In der guten Jahreszeit nutze ich daher zum Beispiel für die 26km zur Arbeit ein S-Pedelec. Mit der elektrischen Unterstützung bis 45km/h schaffe ich den Arbeitsweg – mit teilweise bergigem Profil – in akzeptablen 45 Minuten. Das verbindet gleich drei Dinge auf einmal: Spaß, Klimaschutz und Fitness. Für mich ist es der Eigenbeweis, dass man mit elektrischer Unterstützung andere Nutzer, insbesondere Berufspendler, auf das E-Bike bringt. Umsetzungshemmnis sind allerdings die häufigen abendlichen Veranstaltungstermine im Landkreis im Auftrag des Klimaschutzes.

Seit letztem Jahr fahren wir auch privat einen E-PKW. Ehrlich gesagt wollte ich es einfach mal ausprobieren, nachdem der Benziner das zeitliche gesegnet hat. Hinzu kam die Begeisterung für den elektrischen Dienstwagen (BMW i3). Hemmschuh war sicherlich der Anschaffungspreis, aber siehe da, es gibt auch schon genug E-Fahrzeuge auf dem Gebrauchtmarkt für einen akzeptablen Preis. Seitdem bin ich von der Fahrdynamik, dem leisen Dahingleiten und den kostengünstigen km-Kosten unserer ZOE begeistert. Aber…

Was hat das E-Auto mit Klimaschutz zu tun?

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33% der Neuzulassungen in NO haben eine E-Motor (12/2016)

Der elektrische Antrieb ist ein besonders effizienter Antrieb. Während der Elektromotor mit einem Wirkungsgrad von über 97% arbeitet, haben Dieselmotor (ca. 40%) und Benzinmotor (ca. 30%) geringere Wirkungsgrade. Eine effiziente Wärmepumpe beheizt den Innenraum der meisten E-KFZ, so wird Wärme dann erzeugt, wenn Sie wirklich gebraucht wird. Der Elektromotor arbeitet emissionsfrei, stößt während der Fahrt also weder Feinstaub noch Luftschadstoffe aus und ist zudem leise. Auch im Vergleich des Produktlebenszyklus hat das E-Fahrzeug deutliche Emissionsvorteile gegenüber dem Verbrenner. Sinn macht die Elektromobilität erst mit erneuerbaren Energien, so kann der Verkehrssektor klimaschonender gestaltet werden. Insbesondere das Herausfallen von PV-Anlagen aus dem EEG nach 20 Jahren wird das Thema E-Mobilität und Batteriespeicher beflügeln. Alt-Anlagen produzieren PV-Strom für ca. 0,02€/kWh, das sind bei einem Verbrauch von 15kWh/100km (E-Kleinwagen) gerade mal 0,30€ pro 100 km, wenn ich konsequent mit dem Strom vom Hausdach fahre.

Selber versuche ich möglichst viel PV-Strom vom eigenen Dach zu laden, die gute Zeit fängt jetzt an. Die Wärmepumpe der ZOE hat im Winter gute Dienste geleistet, da war kein Unterschied zum Verbrenner festzustellen, außer: Die Lüftung war sofort nach dem Start warm, die Standheizungsfunktion hat – wie bei allen E-Autos – für einen frostfreien Start gesorgt.

E-Fahrzeuge sind anders?

E-Fahrzeuge haben in der Regel eine Akkukapazität von 20 – 60 kWh und kommen heute etwa 250km (+/- 100km) weit. Die Kapazität und Reichweite nimmt bei Temperaturen unter 5°C stark ab. Der Verbrauch liegt etwa bei 15 – 20kWh/100km; das sind mit einem Haushaltsstromtarif ca. 4,- bis 5,- €/100km. Hohe Anschaffungskosten stehen geringen Wartungskosten gegenüber. Aufgrund geringer Reichweite braucht der E-Mobilist ein Netz an zugänglichen Ladestationen. Das Netz an Ladesäulen wird laufend erweitert, dies wird zurzeit auch durch den Bund gefördert. Die Dauer des Ladevorganges ist sowohl vom Fahrzeug (Ladeleistung mit Wechselstrom z.B. 3,6 bis 22kW) als auch von der Ladeinfrastruktur abhängig. In der Regel dauert der Ladevorgang 1 bis 4 Stunden an einer Ladestation (AC, 22kW). Diese Zeit gilt es – bei Ladung im öffentlichen Raum – sinnvoll zu nutzen, damit keine „Ladeweile“ entsteht. Neben rein elektrischen Fahrzeugen gibt es Hybridfahrzeuge, deren Akku ebenfalls extern geladen werden kann (Plug-In-Hybride). Die elektrische Reichweite dieser Fahrzeuge liegt bei etwa 50 – 100 km.

Unsere ZOE hat im Winter auch eine deutlich reduzierte Reichweite, das liegt an der trägen Zellchemie und am Einsatz der Wärmepumpe (ca. 1 kW). Die Reichweitenangst legt man relativ schnell ab, man kennt die öffentlichen Ladestationen im Umkreis und man plant die Strecken einfach etwas genauer. Einziger Ladefrust: Von Verbrennern zugeparkte Ladesäulen. Abhilfe: Langes Ladekabel und das hoffen auf konsequente Parkregelung, die bisher in einigen Kommunen nicht zu finden sind. Teilweise wird auf selber gelayoutete Schilder zurückgegriffen, die in der STVO gar nicht definiert sind.

In „Ausbaukonzept Ladeinfrastruktur“ für den Landkreis Forchheim haben wir folgende konsequente Lösung fixiert: Absolutes Halteverbot vor der Ladesäule mit einem Zusatzschild „Frei für E-Fahrzeuge während des Ladevorganges“. Im Ladeverbund Franken+ kann an den Ladesäulen zusätzlich ein Parktarif eingerichtet werden, wenn der Ladevorgang beendet ist. Hoffentlich löst sich so das Problem mittelfrsitig…

Da war doch was mit dem Stecker?

In Europa wurde der Typ2 -Stecker als Ladeverbindung genormt. Diese wird für „Normalladen“ mit Wechselstrom (AC) im öffentlichen Raum und zu Hause eingesetzt. Hierbei kommunizieren Auto und Ladeeinrichtung miteinander, der Ladestrom wird erst noch automatischer Verriegelung des Kabels freigegeben. Der von Autoherstellern in Asien und Amerika eingesetzte Typ1-Stecker ist durch den Fahrzeugnutzer einfach adaptierbar. Das „Schnelladen“ mit Gleichstrom (DC) findet hauptsächlich an Autobahn-/ Premiumstandorten (z.B. große Einkaufzentren) statt, da die Ladetechnik sehr kostenintensiv ist. Bei der Schnellladung (in Europa über CCS-Stecker, in Asien über CHAdeMO) ist das Fahrzeug in etwa einer halben Stunde wieder zu 80% geladen. Die normale Steckdose (Schuko) ist – auch beim Laden zuhause – nur sehr begrenzt für Ladevorgänge geeignet, da sie für die hohen Dauerlasten währen des Ladens nichtkonstruiert ist. Dies kann zu Überhitzung der Elektroinstallation führen.

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Wallbox für zuhause

Zuhause habe ich auch eine Wallbox mit 11kW Ladeleistung, da ist die ZOE in guten zwei Stunden wieder vollgeladen. Die Ladeleistung lässt sich auch anpassen. Nächstes Projekt: Die Datenanbindung der Wallbox an den Wechselrichter, damit ab Frühling nur PV-Strom ins Auto kommt.

 

Wie funktioniert der Ladevorgang?

Die meisten Ladevorgänge finden zuhause oder beim Arbeitgeber statt, meist an einfachen Wallboxes. Für das „Zwischenladen“ auf längeren Reisen oder während einer Tätigkeit (z.B. Besuch, Arztgang, Einkaufen, Gastronomiebesuch) braucht der E-Mobilist eine öffentliche Ladestation. Die öffentlichen Ladestationen sind über APPs und Internet in Verzeichnissen gelistet. Bei Ladestationen mit Backend wird auch der Zustand der Ladesäule (Stecker frei / belegt) in Echtzeit angezeigt. Das Fahrzeug wird per Ladekabel mit der Ladesäule verbunden. Die Ladung wird per SMS, APP oder durch das Vorhalten einer RFID-Karte aktiviert.

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RFID-Chip zum Laden

Zusätzlich kann ein QR-Code an der Ladesäule das ad-hoc Laden per Handy ermöglichen. Die Ladesäule prüft über das Backend die Berechtigung zum Laden, verriegelt das Kabel und gibt den Ladestrom frei. Durch Entriegeln des Kabels am KFZ wird der Ladevorgang beendet, eine Abrechnung erfolgt durch das Backend der Ladesäule. Zugangshürden zwischen den einzelnen Ladeverbünden sind ärgerlich: Technisch ist das Roaming oft möglich, doch fallen oft Zusatzgebühren an. Einheitliche Strukturen in einer Region sind also durchaus sinnvoll. Im Landkreis Forchheim entwickeln wir gerade mit unseren Stadtwerken und dem Ladeverbund Franken+ ein flächendeckendes Netz an Ladeinfrastruktur, das ist insbesondere für uns als Urlaubsregion wichtig. Die Zukunftsinvestition ist dabei allerdings nicht immer leicht umzusetzen, schließlich sind Ladestationen im ländlichen Raum noch defizitär.

Wichtigste Erkenntnis, nach einer viel Zahl von Diskussionen…

Bei nächster Gelegenheit einfach mal ein E-Auto probefahren … dann reden wir weiter! Fahrspaß kann man nur erleben!

 

Fernweh freut das Klimasparbuch

oder: Uups, da war doch was mit den Urlaubsreisen….

Das Fernweh bekommt der Geograph zwar eingebrannt, aber trifft auch oft viele andere. Auch ich habe ein schlechtes Klimagewissen bei Fernreisen und bin im üblichen Dilemma. Mit einer Gruppe Studenten hatte ich im Rahmen einer Islandexkursion die Möglichkeit und Herausforderungen der CO2-Kompansation intensiv diskutiert. Die Kompensation ist sicherlich ein gangbares Mittel für das „reine Klimagewissen“ und um CO2-Senken zu etablieren, die Kritikpunkte der Überprüfbarkeit, die Mittelbarkeit der CO2-Reduktion und die Hebelverluste durch den Organisationsaufwand bleiben.

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Erdgasantrieb als Alternative bei der Schiffsreise

Hier kam mir die Idee zum persönlichen Klimasparbuch: Kompensation der Reise durch eigene Energiespar-, Energieeffizienz- oder EE-Projekte. Für jede Reise wird auf dem persönlichen Klimasparbuch ein gewisser Kompensationsbeitrag eingezahlt (z.B. 10,-€ pro Flugstunde oder 0,10€ pro Schiffskilometer). Aus dem Klimasparbuch werden dann Projekte finanziert, deren Hebelwirkung man selber einschätzen kann. Ziel sollte sein, dass Sanierungs- und Energiesparmaßnahmen schneller umgesetzt werden oder Maßnahmen durchgeführt werden, die man sich sonst nicht „leisten“ würde. Falls man gerade kein Projekt im Kopf hat, kann man die Anteile an einer Energiegenossenschaft erwerben oder erhöhen und so die dezentrale Energiewende vor Ort fördern.


Weitere Infos zur E-Mobilität:

Größtes E-Mobilitätsforum mit viel Userwissen: www.gogingelectric.de

Ein Informationsdienst zum Thema E-Mobilität: www.electrive.net

Ladeverbund Franken+ mit einheitlicher Ladeinfrastruktur und höchster Ladesäulendichte in Nordbayern: www.ladeverbund-frankenplus.de

Ladeinfrastruktur im Landkreis Forchheim: www.stadtwerke-forchheim.de www.stadtwerke-ebermannstadt.de


Lieber Sebastian Regensburger, hiermit übergebe ich den Staffelstab an dich! Ich bin gespannt was du berichtest!


Fotos: Dominik Bigge

11 Kommentare zu „Tag 22: Die Zukunft fährt elektrisch!

  1. Ein wirklich lesenswerter Artikel zu einem spannenden Thema. Vielen Dank für die sehr gute Aufbereitung. Die Idee mit dem persönlichen „Klimasparbuch“ nehme ich mit.
    Gruß Sebastian

    Gefällt 3 Personen

  2. Lieber Dominik,
    vielen Dank für den spannenden praxisnahen Artikel! Toll, dass du schon so elektromobil unterwgs bist und sogar eigenen Sonnenstrom nutzen kannst. 🙂
    Bezüglich der CO2-Kompensationen bin ich ganz bei dir: Ich halte nicht viel davon, weil man trotz Zertifizierungen nie genau weiß, wie viel Geld am Ende bei den „Klimaschutzprojekten“ ankommt und ob diese überhaupt zusätzlich sind. Insofern präferiere ich ebenfalls das ReInvestment in eigene Klimaschutzprojekte, so z.B. in Haushaltsgeräte der höchsten Energieeffizienzklasse oder ein Lastenrad…

    Gefällt 1 Person

  3. Lieber Dominik,
    ich habe deinen Artikel mit großer Spannung gelesen. Vielen Dank für den Einblick in deinen E-Mobilitäts-Alltag. Besonders bemerkenswert ist, dass du – was oft vergessen wird – die Pedelecs nicht außen vor lässt. Diese gehören ja auch unbedingt zum Thema E-Mobilität. Toll, dass du dich trotz der Distanz regelmäßig auf dein E-Bike schwingst.
    Leider sind E-Ladestationen aktuell nicht nur in ländlichen Gebieten defizitär, sondern z.T. auch noch in Städten.

    Ich bin auch der festen Überzeugung, dass jede Siedlungsform Mobilitätsformen hat, die mal besser mal weniger gut passen. Ich lebe und arbeite in einer Kommune mit sehr hohen Einpendlerzahlen. Hier kann der MIV (motorisierter Individualverkehr), und dazu zählen auch E-Cars, nicht die beste Lösung sein. Allein die Platz- und Verkehrsprobleme sind hierfür zu hoch. In Verdichtungsräumen hat der ÖPNV, also Züge, Busse, Straßenbahnen (die ja auch elektrisch betrieben werden (können)) einen besseren Klimaschutz-Fußabdruck. Und natürlich der Rad-, E-Bike- und Fußverkehr.

    Gute Idee mit dem persönlichen Klima-Sparbuch 🙂

    Gefällt 2 Personen

  4. Lieber Dominik,
    vielen Dank für Deinen engagierten und ausführlichen Beitrag zum Thema E-Mobilität! Wie beim Thema Klimaschutz allgemein, bekommen die meisten Menschen noch große Fragezeichen in den Augen, wenn man darüber spricht.
    E-Mobilität wird vor allem für die ländlichen Regionen ein wichtiges Standbein … oder besser Schwungrad der klimaneutralen Fortbewegung sein, wie Lena sagt, soll sie innerstädtisch keinesfalls in Konkurrenz zum ÖPNV treten, das sollte man unbedingt im Auge behalten.
    E-Carsharing ist dabei noch ein ganz wichtiger Aspekt, das spart Ressourcen und Stellplätze für die vielen „Steh-„Autos, die heute noch überall unnötig Raum in Anspruch nehmen. 🙂

    Dazu ganz aktuell ein Veranstaltungsvorankündigung von Bayern innovativ, der mich soeben erreichte:
    Kommunales e-CarSharing“ am 22. Mai 2017 in Regensburg, Continental-Arena, demnächst mehr dazu unter
    http://www.bayern-innovativ.de/elektromobilitaet/komelo

    Die REWAG, Stadtwerke Regensburg, bieten mit ihrem EARL bereits ein E-Carsharing an, demnächst will ich Mitglied werden, um meine Dienstreisen in den LK TIR e-mobil bestreiten zu können. Leider oder eigentlich ja zum Glück ist der Wagen meist für lange Zeit im Voraus ausgebucht, die REWAG will dazu baldmöglichst den Carsharing-Fuhrpark ausbauen.

    Dein „Klimasparbuch“ finde ich ja eine super Idee! Ein Sparbuch, das Sinn macht und auf dem das Geld gut angelegt ist. Mich würde ja auch reizen, ein regionales CO2-Kompensationsprojekt anzuregen, wo Klimaschutz und Umwelt-/Naturschutz gemeinsam profitieren und dauerhaft CO2 aus der Atmospäre entzogen wird …

    Super Foto von Dir, finde ich, schaut aus wie „Dominik auf Strandurlaub“, ist aber wohl ein abgeerntetes Strohfeld im HIntergrund – das beweist: richtig in Szene gesetzt, hat auch die Region sehr attraktive Seiten.

    Sonnige Grüße
    von
    Susanne

    Gefällt 1 Person

  5. P.S. Energiegenossenschaften unterstützen oder eine gründen, um die dezentrale Energiewende voranzubringen, finde ich auch ganz wichtig, danke für den Hinweis, Dominik!

    Dazu noch der Hinweis auf das Netzwerk Energiewende Jetzt e.V., die Weiterbildungskurse für Gründungswillige und aktive Energiegenossen anbieten, z.B. um neue Geschäftsfelder zu erschließen (ganz aktuell: Mieterstrom), als Mitglied des Vereins kann man zudem von der Vernetzung mit anderen Akteuren profitieren:

    http://www.energiegenossenschaften-gruenden.de/

    Gefällt 1 Person

  6. Lieber Dominik, vielen Dank für diesen fundierten Beitrag! Man merkt, dass ein praktizierender Experte berichtet.

    Ich bin selber sehr gespannt was passieren wird, wenn in drei Jahren die ersten EEG-Förderungen für PV auslaufen. Die Weiternutzung um das E-Auto aufzuladen ist sicherlich eines der interessanten Modelle. Man darf in Zusammenhang mit E-Autos nicht aufhören zu erwähnen, dass sie nur dann wirklich umweltfreundlich sind, wenn man zum Aufladen auch Ökostrom verwendet.

    Das mit dem persönlichen Klima-Sparbuch halte ich ebenfalls für eine sehr gute Idee!

    Gefällt 3 Personen

  7. Der Sattel liegt verkehrt auf den Pferd!
    Die Elektromobilität kann mit Wind und Sonne noch nicht funktionieren.
    außerdem:
    Schwieriger wird es mit der Ladeinfrastruktur. Es gibt in Deutschland etwa so viele Wohnungen (40 Mio., davon ca. 12 Mio. Einfamilienhäuser und knapp 4 Mio. Mehrfamilienhäuser) wie Pkw (45 Mio.). Wenn jeder Pkw elektrisch wäre, müsste man für jedes Fahrzeug eine entsprechende Steckdose zum Aufladen der Batterien haben. Nun werden zwar Haushalte typischerweise mit einer Leitung angeschlossen, die eine Leistungsabnahme von 11 kW ermöglicht – ausreichend für ein relativ zügiges Aufladen von Autobatterien. Da der Durchschnittsverbrauch von Haushalten aber nur in der Größenordnung von 0,5 kW liegt, würde das lokale Verteilnetz zusammenbrechen, wenn ein Dutzend Elektroautos gleichzeitig in einer Straße aufgeladen würden.

    Wenn beispielsweise in einer Straße zwei Anwohner bereits eine Schnellladestation für ihr Elektroauto installiert haben, und ein dritter stellt den gleichen Antrag, dann kann es passieren, dass genau mit diesem dritten Schnelllader die Kapazität der in der Straße liegenden Stromleitung überschritten wird. Kann der Stromversorger dem dritten Anwohner nun versagen, was er den ersten beiden gewährt hat? Wer soll die Kosten tragen für das Aufrüsten der Stromleitung, der dritte Anwohner, alle drei oder gar alle Anwohner der Straße, obwohl sie manche gar kein Elektroauto fahren? Wenn schon in einer Villengegend die Stromleitungen für ein paar wenige Schnellladestationen nicht ausreichen, wie sieht es dann in Ballungsgebieten aus, wo die meisten Menschen wohnen und in einer Straße hunderte Autos parken? Antworten auf diese Fragen sind noch nicht im Ansatz geklärt, und es kommt sowohl auf Gesetzgeber als auch auf Energieversorger noch viel Arbeit zu.

    Das größte Manko von Elektrofahrzeugen sind aber die heutigen Batterien. Eigentlich sollten sie weder teuer noch schwer sein. Sie sollten bei einem Unfall oder Brand keine Gefahr darstellen, und sie sollten ihre Leistung beim Beschleunigen schnell zur Verfügung stellen. Ihr Wirkungsgrad sollte deutlich über 90% liegen, damit die Abwärme nicht allzu große Probleme bereitet. Dabei sollten sie viele Jahre halten – mindestens das Durchschnittsalter heutiger Pkw in Deutschland von neun Jahren – und viele Ladezyklen ermöglichen. Und sie sollten aus Materialien gebaut werden, die möglichst häufig in der Erdkruste vorkommen und ohne gravierende Umweltschäden gewonnen werden können, damit mehrere Milliarden Elektroautos weltweit damit ausgestattet werden können.

    Vergleicht man diesen Anforderungskatalog mit der heutigen Lithium-Ionen-Technologie, die als einzige als marktreif bezeichnet werden kann, fällt eine Lücke in mehrerlei Hinsicht auf. Zwar können Lithium-Akkus kurzfristig größere Leistungen abgeben und beim Bremsen wieder aufnehmen, und sie haben auch mit den höchsten Wirkungsgrad aller Akku-Technologien. Spontane Überhitzung mit Selbstentzündung der Akkus tritt sehr selten auf. Allerdings sind sie dennoch buchstäblich brandgefährlich, weil Lithium hochreaktiv ist, und bei einem Pkw-Unfall mit einem Elektrofahrzeug halten Feuerwehrleute so lange Abstand, bis ein einmal entzündetes Fahrzeug komplett ausgebrannt ist, um sich nicht zu gefährden. Gerade im Kontakt mit Wasser ist reines Lithium hochentzündlich. Außerdem ist der Energiegehalt von Lithium-Ionen-Akkus etwa 100 Mal niedriger als der von Kraftstoff, und es ist auch nicht absehbar, ob einige hundert Millionen Tonnen an Lithium zu verträglichen Kosten und ohne große Umweltschäden abgebaut werden können. Die bisher bekannten Lithium-Lagerstätten sind mindestens um einen Faktor zehn zu klein, um weltweit alle Fahrzeuge auf Elektroantrieb umzustellen, zumal in vielen Ländern der Welt die Anzahl an Pkw pro Einwohner noch stark wächst. In der Summe sind die Nachteile von Lithium-basierten Akkusystemen heute noch so groß, dass die meisten Pkw-Käufer vor dem Erwerb eines Elektroautos zurückschrecken.
    Mit freundlichem Gruß
    K.Ebeling

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  8. Hallo Herr Ebeling,

    ich glaube, viele von uns tun sich schwer, die Mobilität der Zukunft nicht durch die Brille der „fossilen“ Automobilisten zu betrachten, übertragen das heutige Verkehrsverhalten 1:1 auf alternative Ansätze und kommen dann zu dem Schluss, der Umstieg funktioniert nicht, für mich persönlich oder insgesamt.

    Hier kann man als Klimaschützer aber nur sagen: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ An der Art der Mobilität, wie wir sie heute praktizieren, können wir schlichtweg nicht festhalten, wir müssen heute möglichst schnell die Weichen hin zu einer nachhaltigen Mobilität stellen, auch wenn wir noch nicht im Einzelnen für alle Fragen Patentlösungen haben. Elektromobilität wird dabei ein wesentlicher, aber nicht der einzige Baustein sein, zusammen mit der optimierten Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel, dem Carsharing und schließlich auch das Vermeiden von unnötiger Mobilität, ich will hier nur Stichwörter wie Homeoffice, wohnortnahe Arbeitsplätze, Videokonferenzen, aber auch das bewusste Konsumentenverhalten mit Bevorzugung regionaler Produkte sowie ein geändertes Freizeitverhalten nennen.

    Darüber hinaus ist natürlich jeder willkommen, weitere Lösungvorschläge für eine nachhaltige Mobilität in die Diskussion einzubringen!

    Freundliche Grüße

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