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Tag 32: Wie Phoenix aus der Asche…

… komme ich wahrlich nicht daher. Die Leichtigkeit der ersten Fastentage ist auch bei mir einer gewissen Ernüchterung gewichen. Mein leergeräumtes Duschkörbchen (vgl. Tag 11) wurde zwischenzeitlich bereits wieder voller: Ganz neutral und ohne Duft duschen findet „Mann“ wenig erfrischend. Und statt eines der weggeräumten Duschgels wieder hervorzuholen, wurde die Wirtschaft angekurbelt und ein neues gekauft. Gut. Ich bin ja die, die Konsum-fastet, nicht der Rest der Familie. Immerhin verwende ich eine beliebte Therapeuten-Taktik und betrachte die Situation aus einem anderen Blickwinkel, so habe ich die Anzahl der Produkte in meiner Duschkabine zumindest halbiert. 😉Um mich etwas aufzumuntern nehme ich einen tiefen Schluck aus meiner Kaffeetasse. Herrlich. Tut gut, schmeckt gut.

Zumindest so lange, bis sich das schlechte Gewissen meldet und mein Hirn sich anschaltet!!! Hatte Gesa nicht erst am Vortrag auch über Kaffee etwas geschrieben? Hatte sie nicht auf die Seite verlinkt, über die ich auch bereits gestolpert war? (Kaffee-Ratgeber)

Stimmt. Meine Kollegin hatte gestern bereits sehr bildhaft ihre Erfahrungen mit Getreidemilch im Kaffee beschrieben. Mir geht es ähnlich. Ich habe es mit Hafermilch probiert. Ich habe es wirklich probiert! Aber ehrlich: Es geht nicht! Im Kaffee absolut gar nicht und im Müsli – nun ja…nicht wirklich. Beim dritten Versuch habe ich abgebrochen. Und nachdem die arme Hafermilch dann noch ein paar Tage im dunklen Kühlschrank gestanden hat, habe ich ihr den Gnadentot im Abfluss gegönnt. Lebensmittel wegzuwerfen ist nicht mein Ding. Aber es war ein echter Notfall! Und schlussendlich war ich mir sicher, ich werde die Welt nicht retten, auch wenn ich den letzten Schluck Hafermilch herunterwürge.

Ich gestehe also: Ich werde weiterhin meinen Kaffee mit Kuhmilch trinken. Aber immerhin verwende ich keinen Zucker und ich nehme meine Porzellantasse oder meinen Bambusbecher für unterwegs. Ich brühe zu Hause und manchmal auch im Büro meinen Kaffee von Hand.

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Spare somit zumindest ein bisschen Energie bei der Zubereitung. Und im letzten Monat habe ich meinen Konsum bereits deutlich reduziert. Ich trinke nun ab und an auch mal ein Tässchen Tee.

Ich habe viele Laster. Ich gebe das gerne zu. Kaffee trinken gehört jedoch nicht dazu!Kaffee trinken ist für mich kein Laster, es ist eine Leidenschaft. Und das meine ich ganz wörtlich! Ohne Kaffee leide ich, mit Kaffee schaffe ich (hahahaha).

Sachlich betrachtet ist es tatsächlich so: Ein Tag ohne Kaffee, ist für mich eine Herausforderung. Nicht weil ich das Koffein unbedingt bräuchte. Da stellt uns die Lebensmittel- und Getränkeindustrie diverse Alternativprodukte an die Seite. Nein, mir geht es vielmehr um das Ritual des Kaffeetrinkens. Diese kleinen Pausen, die ich mir im Tagesablauf gönne, um innezuhalten und den Becher mit dem duftenden Heißgetränk zu genießen. Dabei ein Pläuschchen mit den Kollegen, ein Blick in die Zeitung, oder der Rückzug aus dem streitgeladenen Kinderzimmer ins ruhige Wohnzimmer. Kaffeegenuss ist für mich folglich mehr als nur etwas trinken.

Um mein Phoenix-Federkleid dann doch ein bisschen von der Asche zu säubern, habe ich mich deshalb noch mehr mit dem Thema Kaffee beschäftigt. Ich wollte wissen, wo genau das meiste CO2 bei der Kaffeeproduktion entsteht. Fündig bin ich geworden bei www.green-cup-coffee.de.

Es ist nicht der Transport oder der Veredelungsprozess, der die meisten Treibhausgase entstehen lässt. Der Kaffeeanbau, also die Rohstoffgewinnung, verursacht bereits den Hauptanteil der schädlichen Emissionen.

kaffeebilanz

Und hier gilt: je größer die Plantage und je kommerzieller der Anbau, desto höher der CO2-Ausstoß (bedingt durch Maschineneinsatz, Düngemittel und Schädlingsbekämpfung). Bio und fair-gehandelter Kaffee ist somit schon mal die richtige Wahl. Das beruhigt mich ein bisschen.

Ich fahre fort mit der Federpflege und betrachte die nächste Grafik, in der es um die Zubereitungsmethoden geht. Und das hat mich richtig erstaunt! Ich hätte nie gedacht, dass nach der Rohstoffgewinnung, die Zubereitung, eine der wesentlichen Faktoren für die miese CO2-Bilanz des Kaffees ist.

kaffeekochen

Aber puh! Wieder Glück gehabt. French Press und Handfilter sind deutlich besser als Maschinenkaffee. Erleichtert inhaliere ich den Kaffeeduft und nehme noch einen genussvollen Schluck.

Hier ein Tipp, für die, die noch mehr Infos aus der Kaffeewelt möchten: Kaffee-Satz

Etwas beruhigt plustere ich mich auf und zeige wieder mein von der Asche befreites Federkleid. Ich kleiner Phoenix-Vogel bin doch kein ganz so grauenvoller Klimaschädling. Und wie ich mich so auf meinen Lorbeeren ausruhe, schweift mein Blick aus dem Fenster in den strahlend blauen Himmel. Ist heute nicht der perfekte Tag zur Eröffnung der Grillsaison?

Apropos „grillen“: Ob wohl schon mal jemand überschlagen hat, wie viel CO2 durch das sommerliche Grillen zusätzlich in die Luft geblasen wird? Und welche Holzkohle ist die klimafreundlichste? Man könnte ja auch einen Gasgrill nehmen. Aber macht das so einen Unterschied? Das Gas kommt ja auch nicht nur aus der Flasche. Hm,…da sollte ich mich mal auf Recherche begeben. Vermutlich wird dabei dann mein frisch gereinigtes Federkleid gleich von neuem mit Asche bestäubt. Deshalb gebe ich lieber schnell den Staffelstab weiter an Dominik Mages aus dem Fürther Landkreis!

 

Fotos: http://www.pixabay.de, screenshots: http://www.geen-cup-coffee.de

Autor:

Klimaschutzmanagerin und Radverkehrsbeauftragte Landkreis Nürnberger Land Umweltschützerin und Landpomeranze aus Überzeugung und mit Leidenschaft 1 Partner, 2 Kinder, 5 Fahrräder

12 Kommentare zu „Tag 32: Wie Phoenix aus der Asche…

  1. Liebe Tina, als passionierter Teetrinker könnte ich mich jetzt bequem zurück lehnen. Bis jetzt hat hier ja noch niemand die Co2-Bilanz meines Lieblingsgetränks berechnet. Ich will es vorerst auch gar nicht so genau wissen. So kann ich mich weiterhin im Glauben wiegen, dass Datschieling ein lieblicher Teegarten in der Fränkischen Schweiz ist.

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  2. Hallo Tina,

    ich habe es gut. Ich trinke Kaffee aus gesundheitlichen Gründen. Als Jugendliche bekam ich vom Hausarzt folgende Möglichkeiten aufgezeigt: Entweder du trinkt jetzt Kaffee zum Frühstück (bis dahin habe ich nur schwarzen Tee getrunken) oder du nimmst blutdrucksteigernde Tabletten. Natürlich habe ich mich für Kaffee entschieden. Obwohl schwarzer Kafee damals und auch heute für mich einfach nur „igittigitt“ schmeckt. Dann lieber gar keinen. Aber mit viel Milch trinke ich ihn ganz gerne. Und am liebsten mit Kuhmich und auch ohne Zucker. Sojamilch mit Vanille geht auch. Ohne Vanille allerdings nicht. Und Kaffee trinken ist auch für mich ein Entspannungsritual.

    Um dein Gewissen etwas zu erleichtern, habe ich mal Kaffee und Gesundheit in eine Suchmaschine eingegeben und unter
    http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Kaffee-Gesund-oder-ungesund-492393.html steht, dass Kaffee blutzuckersenkend wirkt. Also trnken wir Kaffee, um Diabetes vorzubeugen. Leuchtet doch ein, oder?:)

    Ich bin dem Kaffee-Link gefolgt und habe jetzt eine Frage: Empfohlen wiird Bio-Kaffee und Bio-Tee aus schattigem Anbau. Wie soll ich das bitteschön herauskriegen, ob mein Kaffee oder Tee in der Sonne oder im Schatten gewachsen ist? Wer weiß denn sowas?

    Um mein Öko-Gewissen zu erleichtern und meinen Geldbeutel zu schonen kaufe ich Bio fairtrade Kaffee (in ganzen Bohnen) und Tee beim Discounter. Der Kaffee kostet zwei Euro pro Pfund mehr. Und ich gebe meinen Kaffeesatz in die Biotonne und manchmal auch in die Blumenerde.

    Schönes Wochenende und liebe Grüße

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    1. Ui, das ist fein mit dem Kaffee auf ärtzliche Anweisung, ich muss mal ein Wörtchen mit meinem Hausarzt wechseln. Zum Anbau im Schatten: manchmal steht es mit drauf, manchmal steht Agroforst drauf. Ansonsten empfehle ich, bei unseren bekennenden Flugreisenden mit aufzuspringen und im Anbaugebiet selber nachzusehen. Der große Vorteil: Dann ist der Kaffee sogar lokal. Was hälst Du davon? 👹
      Liebe Grüße

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    2. Nach einem computer-gefasteten Wochenende melde ich – natürlich nebenbei Kaffee schlürfend – zurück. Es beruhigt mich, dass es hier noch andere Klimaschützer gibt, die dem Kaffee/Teegenuss frönen. Eure Ideen zum Tee-Anbau, der Café-Eröffnung und dem Flug in die Plantagengebiete habe ich notiert. Klingt vielversprechend. Wenn es dann mit der Vertragsverlängerung nach Ablauf der Förderzeit nicht klappen sollte, können wir ja den ein oder anderen Gedanken zur Zukunftsplanung wieder aufgreifen.
      Ob der Kaffee im Schatten gewachsen ist, fand ich auch ein etwas vages und wenig verifizierbares Kaufkriterium. Ich mache greife daher auch auf die bio-fairen Produkte zurück und übe mich im Vertrauen.
      Ich habe übrigens erst am Wochenende erfahren, dass kritisches Käuferverhalten doch Wirkung zeigt: Nun gibt es auch bei mir in der Nähe den Lupinen-Joghurt 🙂 Zwar nur die eine Sorte. Aber immerhin.
      Und er schmeckt mir auch!
      Allerdings bin ich momentan noch nicht wirklich überzeugt. Ich möchte mir mit den veganen Alternativprodukten eigentlich nicht ein mehr an Lebensmittelchemie einverleiben. Deshalb war ich enttäuscht, als ich gelesen habe, dass der Mango-Joghurt Aroma enthält. Schade.

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  3. Liebe Tina,
    ich bin absolut dafür, Rituale zu pflegen, besonders, wenn man sich dann gemütlich mit Kolleg*innen zusammensetzt oder sich entspannt zuhause zurücklehnt, und die Arbeit Arbeit sein lässt! Und mit Milch (heißgeschäumt!) schmeckt Kaffee erst so richtig gut, oder mal mit einem Schlag Oberst!
    Ich fände aber die Idee von einem netten kleinen Teegärtchen in der Fränkischen Schweiz auch nicht schlecht, wie Bernd sich erträumt, ich hätte da ein Grundstück bei Muttern in Hollfeld (o.k., schon am oberen Rand der Fränkischen Schweiz gelegen), das sich vielleicht als kleine Plantage eignen würde … 🙂
    So, jetzt gibt’s Abendessen bei den Schwiegereltern, mit „Fleischpflanzerl“ und Kartoffelsalat, Salat etc., wohl unsere Fleischration für diese Woche!

    Schönes Wochenende!

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    1. Liebe Susanne,
      Du sprichst mir aus der Seele. Heißgeschäumte Milch – ein Traum! Den Milchkaffee und den Latte Macchiato hab ich mir in den letzten 32 Tagen tatsächlich verkniffen, aber mit Mühe… Kannst Du in Hollfeld neben dem Tee vielleicht noch ein bisschen Kaffee anbauen? Gerne auch im Schatten unterm Apfelbaum 😉
      Genießt die Fleischpflanzerl, die klingen doch hier viel vegetarischer als die Frikadellen und Buletten im Norden.

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  4. Oh je, was habe ich ausgelöst, all diese Kaffeegeständnisse. Das ist ja wie bei Harry Potter – „The order of the Phoenix“ (zu Deutsch: Die Bestellung des Phönix, aber ob er jetzt Kaffee mit oder ohne Milch bestellt?) Schön, dass Ihr ähnliche Cafeomanen (und Teeomanen) seid wie ich. Da können wir uns ja gleich nach der Fastenstaffel mal im Café treffen…

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  5. … mein Favorit: Ahornsirup … 😦 O.k., hier müssen wohl alle Alarmglocken schrillen, da der in der Regel aus Kanada oder USA kommt, von dort kenne ich den auch, aber theoretisch müsste er doch auch bei uns herstellbar sein – wie dem auch sei, Ahornsirup ist eher was für die seltenen besonderen Anlässe …

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