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Tag 40: Reif für die Insel…

40 Tage CO2-Fasten- Mir reicht’s, ich muss weg!

Nein, natürlich nicht. 😉 Ich gebe mir natürlich weiterhin alle Mühe, meinen CO2-Ausstoß in der Fastenzeit und auch darüber hinaus zu reduzieren. Allerdings erreicht mich der Staffelstab (bzw. habe ich ihn mir geschnappt 😉 ) heute im Urlaub auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, von der aus ich euch schon mal viele Grüße sende!

Zugegebenermaßen war der Weg dorthin nicht so wirklich klimafreundlich und ich werde mir meine persönliche Kompensations-Strategie überlegen müssen, aber da ich bereits mein Freiwilliges Ökologisches Jahr und die Zeit während meiner Bachelorarbeit an der Nordsee verbracht habe komme ich nicht umher meiner zweiten Heimat ab und an einen Besuch abzustatten.

Also nutze ich den Sonntagsjoker und schaue mir heute mal an, wie klimafreundlich ein Insulaner seinen Alltag gestalten kann.

Erst mal auf die Insel kommen…

Wie bereits erwähnt, war die Anreise mit dem Schiff (als Alternative wäre nur Fliegen in Frage gekommen aber ich fliege ohnehin nicht gerne) leider nicht ganz CO2-neutral. Allerdings war ich erfreut, dass auch bei Personen-Schiffsreisen offensichtlich bereits ein Umdenken stattfindet und sich auch hier umweltfreundlichere Treibstoffvarianten ihren Weg bahnen.

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So wird durch das flüssige Erdgas (Liquified Natural Gas) laut Rederei immerhin 20% weniger CO2 und sogar 90% weniger NOx und 95% weniger SOx ausgestoßen. Klar- in Hinblick auf die CO2-Reduzierung immer noch nicht ideal und man sollte sich nicht zu mehr „umweltfreundlichen“ Schifffahrten verleiten lassen, aber zumindest ein Anfang.

Ist man erst angekommen auf der Insel lassen sich in Punkto umweltfreundliche Mobilität allerdings einige Pluspunkte sammeln, da auf der Insel ohnehin keine Autos erlaubt sind. Einzig das Feuerwehrauto und der Krankenwagen werden (meinem letzten Kenntnisstand nach) fossil betrieben. Zum Transport schwerer Lasten findet man zudem einige Elektrotransportwägen und das ein oder andere Elektro-Taxi. Der Rest wird (notgedrungen) mit Handkarren, Rucksack etc. zu Fuß zurückgelegt, da auch keine Fahrräder auf der Insel erlaubt sind, da gerade am Mittag/ Nachmittag einige Tagestouristen durch die Straßen tingeln, auf die Rücksicht genommen wird. Mit etwas größeren City-Rollern haben einige Inselbewohner eine schnellere und anscheinend genehmigte Alternative gefunden.

Als Kurzzeit- Insulaner machen sich mein Freund und ich also die nächsten vier Tage zu Fuß auf den Weg die schöne Insel aus rotem Sandstein zu erkunden.

Angekommen am Hafen entdecken wir hier gleich die neuen Servicestellen von EON, RWE Innogy und Wind MW, die drei z.T. bereits realisierte Offshore-Windparks von der Insel aus betreiben (z.B. Windpark Meerwind Süd | Ost, der 23 Kilometer nördlich von Helgoland liegt und mit 288 Megawatt Leistung aus 80 Windturbinen rund 360.000 Haushalte mit Strom versorgt). Leider findet die nächste Besichtigungsfahrt erst im Mai wieder statt, gerne hätte ich mir sonst die Dimension eines Offshore-Windparks mal aus nächster Nähe angeschaut. Von der Insel aus ist der Windpark nur bei richtig guter Sicht zu erkennen, weshalb ich ein Foto an dieser Stelle leider vorenthalten muss. Man sieht jedoch täglich die Arbeiter per Schiff zum Offshore-Windpark fahren.

Mehr oder weniger regional…

So, wie sieht es nun für einen Insulaner beim Thema Ernährung und Konsum aus? Nur regionale Produkte einzukaufen- wie Jana das so vorbildlich in der Fastenzeit umgesetzt und in ihrem gestrigen Blogbeitrag beschrieben hat- wird hier leider noch schwieriger. Eine Kleingärtneranlage auf dem Oberland der Insel ermöglicht einigen Inselbewohnern zumindest im Sommer sich mit etwas Obst und Gemüse selbst zu versorgen und in Sachen Fisch, Krabben, Knieper und Hummer lassen sich sicher einige regionale Spezialitäten aufzaubern (mein „Helgoländer Pannfisch“ war gestern auf jeden Fall sehr lecker!). Die restlichen Lebensmittel haben jedoch auch aus Deutschland kommend zwangsläufig eine mindestens 70 km weite Anreise per Schiff oder Flugzeug hinter sich, die die CO2-Bilanz im Bereich Ernährung insgesamt etwas höher ausfallen lassen dürfte als bei einem Festlandbewohner. Mir bleibt diese Woche also wohl nichts Anderes übrig als der Frühstück-Auswahl unserer Hotel-Gastgeberin zu vertrauen und nach Möglichkeit regionalen Fisch zu essen.

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Beim Thema Konsum schlägt das verlockende Zollfreie Einkaufen leider wohl nicht ganz so positiv zu Buche. Zumindest viele Touristen sieht man hierdurch tagtäglich mit voll gefüllten Plastiktüten durch die Gassen shoppen.

Wenn diese jedoch gegen Nachmittag wieder von der Insel fahren kehrt Ruhe ein und man kann die herrliche Natur, den Wind um die Ohren und das gemütliche Inselleben genießen.

Übrigens hat Helgoland sein mildes Klima mit über 1.600 Sonnenstunden im Jahr u.A. dem Golfstrom zu verdanken- ein weiteres Thema über das sich im Zusammenhang mit CO2 und dem Klimawandel noch sehr viel berichten liesse…

Die nicht allzu tiefgehende Recherche und umfassenden Ausführungen in diesem Blogbeitrag werden mir jedoch hoffe ich verziehen. (Ist ja schließlich Urlaub! 😉 ) Ich denke man sieht jedoch auch schon an den obigen Beispielen, dass es neben den Unterschieden zwischen städtischen und ländlichen Regionen, die schon in vielen Blogbeiträgen berichtet wurden, auch noch andere Wohnorte gibt, die von Grund auf neue Herausforderungen an einen klimafreundlichen Alltag stellen.

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Mit dem Blick auf die Helgoländer Düne zu der wir heute – nein, leider nicht schwimmen sondern wohl nochmal Diesel-betrieben fahren werden- verabschiede ich mich und überreiche mit sonnigen Grüßen den Staffelstab an Dominik Mages aus Fürth.

(Fotos: Lisa Güntner)

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5 Kommentare zu „Tag 40: Reif für die Insel…

  1. Hallo Lisa und Begleitung,

    grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand, das sind die Farben von Helgoland….
    Habt ihr es gut. Will auch mal wieder nach Helgoland. Aber wir kriegen heute glatte 10 Grad mehr. Total tolles Wetter, d.h. wir können auch nicht klagen. Genießt die reginalen Spezialitäten. Einen Offshore-Windpark würde ich auch gerne mal sehen. Na ja, vielleicht irgendwann…

    Liebe Grüße

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  2. Wie, die Hochlandrinder sind einer Kleingartenkolonie gewichen? Sollte das etwa heißen, die Helgoländer werden langsam zu Vegetariern??? Als ich, damals weitestgehend Vegetarierin, FÖJ an der Vogelwarte gemacht habe (schon eine Weile her), war ich noch ziemlicher Exot. Aber stopp, auf dem Bild steht 1968-dann muss es die wohl doch schon zu meinen Zeiten gegeben haben. Dafür konnte es einem passieren, dass man im dichtesten Nebel auf dem Weg zum Leuchtturm plötzlich einem riesigen Rind Aug in Aug gegenüberstand, das man vorher einfach nicht entdeckt hatte… Die Elektrokarren gab es damals schon, ebenso wie die Handwagen. Vielleicht werden die Börteboote ja irgendwann auch umweltfreundlicher.
    Es gibt übrigens auch regionales Gemüse auf Helgoland, Klippenkohl, laut Einheimischen der Ursprung aller Kulturkohlarten. Ob das so stimmt, recherchiere ich jetzt aus den gleichen Gründen wie Du nicht (Urlaub, in meinem Fall in der Nähe von Augsburg) Grüß mir die Basstölpel, die Trottellummen, die lange Anna, die Düne und die Ornis, und Dir viel Spaß,
    Gesa

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Gesa,

      doch doch, ein paar Hochlandrinder gibt es immer noch. Allerdings minimiert ein Zaun den Überraschungseffekt. 😉
      Den Klippenkohl habe ich allerdings leider auf keiner Speisekarte gefunden, ist bestimmt nur über Geheimtipps zu beziehen. 🙂

      Grüße von den Basstölpeln zurück!
      Lisa

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  3. Liebe Lisa,
    da wünsch‘ ich Dir einen ganz tollen Urlaub! Ich fand es bemerkenswert, dass Du – wie auch Gesa im Kommentar – gleich Dein/Euer Interesse an den Offshore-Windparks bekundet habt, sie am Ende noch besichtigen wollt! Wind“mühlen“ als touristische Attraktion?!
    Ganz häufig wird doch das Argument angeführt, wenn die Windräder kommen, bleiben die Urlaubsgäste aus. Gut, Offshore-Anlagen sind nicht direkt vor der Haustüre, aber sehen tut man sie – ohne Nebel – auch, alleine das, meinen ja viele, ist dem Urlaubsgast zumindest hier in Bayern nicht zuzumuten… Aber es geht doch!

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Lisa,
    genial, dass du uns einen Einblick in deinen Urlaub gibst, bzw. in das Leben vor Ort. Jetzt hab ich ein bisschen Fernweh bekommen. Genieße die Zeit und vielleicht bringst du ja die ein oder andere gute Idee mit!

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