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Tag 42: Leberwurst oder nicht Leberwurst – das ist hier (nicht) die Frage!

Herzlichen Dank für die Staffelübergabe, lieber Dominik Mages!

Es geht sich bei der Leberwurst nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Dazu später mehr.

Zu Beginn des Fasten-Blogs hatte ich Schwierigkeiten, meinem Vorsatz, mich (möglichst) fleischlos zu ernähren, gerecht zu werden. Am 3. März war ich zum Schlachtschüssel-Essen mit einigen Laufkolleginnen/Laufkollegen verabredet. Mir waren zwar die Ingredienzien der besagten Schüssel bekannt, ich konnte aber nicht so viel damit anfangen und dachte, zur Not esse ich halt die Beilagen (Sauerkraut/Kartoffeln/Brot). Die Innereien und das Kopffleisch bereiteten mir „leichtes Unbehagen“ (ich könnte auch sagen, der Würgereflex wurde animiert). An den Bratwürsten habe ich ein wenig herumgeknabbert, ansonsten habe ich mich auf die Beilagen konzentriert. Es war trotz allem ein geselliger Abend, und für mich stand fest:

  1. Keine Schlachtschüssel mehr
  2. Rückbesinnung auf flexigane Ernährung

Wie bei den Flexitariern, die sich vegetarisch ernähren und nur ab und zu Fleisch konsumieren, ist mein Bestreben für die Fastenzeit und darüber hinaus, auf tierische Produkte zu verzichten und nur punktuell (Schafs- oder Ziegenkäse, Kuhmilch-Jogurt) zu kaufen. Das heißt, ich ernähre mich – bis auf wenige Ausnahmen – weitestgehend vegan, oder für die mathematisch Versierten: flexibel + vegan = flexigan.

Wieso Rückbesinnung? Mit dem Wechsel vom Niederrhein zur Stadt Ansbach im Jahr 2013 stellte ich meine Ernährungsgewohnheiten um, und zwar von fleischhaltiger Kost auf vegane. Das war mehr als ein Quantensprung, zu Mal die Franken, so scheint mir, Fleisch lieben, und die Restaurants und Gaststätten auf diese Kost weitestgehend eingestellt sind. Es gibt in Ansbach nur ein Restaurant, das sowohl traditionelle als auch vegetarische und sogar vegane Gerichte anbietet. Die anderen Restaurants offerieren vegetarische Gerichte (wenn überhaupt) nur ergänzend. Und das ist dem bekanntesten Bürger von Ansbach gewidmet: „Kaspar Hauser“. Sein Tod im Hofgarten korreliert vermutlich nicht mit der Namensgebung des besagten Restaurants und dem Ruf der veganen Küche;-). Jedenfalls hatten wir uns mit den Kollegen vom Tiefbauamt zum Vesper eingefunden. Ich wollte den anderen etwas Gutes tun, und habe vegane Leberwurst zubereitet. Das Echo war überwältigend. Nachdem die Ersten die Augen verdrehten oder zum Schweppes-Gesicht ansetzten, kam zu guter Letzt noch der Hinweis:

„Ey, du bist hier in Franken, da wird richtige Wurst gegessen“.

Für mich stellte sich die Frage: Was ist denn, bitte schön, richtige und falsche Wurst? Antwort: Es gibt kein „richtig oder falsch“, es gibt m. E. nur die Leberwurst (konventionell oder vegan). Das Thema Ernährung kann polarisieren. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Diskussionen hier z. T. dogmatisch geführt werden.

Jedenfalls habe ich mir nach meinem Leberwurst-Desaster nicht den Mut nehmen lassen, weiter vegan zu leben. Erst einige Monate später schlich sich bei mir die fleischreduzierte Mischkost wieder ein. Das Rezept für die vegane Leberwurst möchte ich euch aber nicht vorenthalten: (http://apfelvegetarier.blogspot.de/search/label/Leberwurst). Ich finde, es lohnt sich, sie mal auszuprobieren. Zwiebeln, Räucher-Tofu, Kidney-Bohnen, ein paar Gewürze und das alles mit dem „Zauberstab“ zerkleinert. Fertig. Mich hat die Wurst echt begeistert!

Die CO2-Fasten-Staffel hat bei nicht nur zu einer Renaissance des Veganismus (besser: Flexiganismus) geführt. Für mich haben sich auch konsumtechnisch einige Neuerungen ergeben. Seit Anfang März habe ich eine Öko-Kiste bei einem hiesigen Biobauern abonniert. In Form einer Regional-Kiste bekommen ich einmal die Woche Waren angeliefert, die saisonal und regional sind. Die Saisonalität von Produkten habe ich lange Zeit vernachlässigt.

Bild Öko-Kiste
Öko-Kiste

Tomaten im Winter!? Das muss nicht sein. Da gab’s jetzt mal Postelein-oder Feldsalat, oder als Gemüse Bärlauch, Chicorée, Sellerie, Weißkohl oder Hokkaido. Regional heißt, die Produkte kommen vom Öko-Box-Bauern selbst oder von Landwirten im Umkreis von 200 km. Alles natürlich in Bio-Qualität. Probleme gibt es beim Obst: Da ist im Winter nur der Apfel angesagt und das auch nur als Lagerware. Bei meinem Faible für Südfrüchte (Bananen, Ananas, Zitrusfrüchte) sieht es mit der CO2-Bilanz hier natürlich mau aus. Zumindest werden die Produkte nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Schiff transportiert. Das ist aber nur ein geringer Trost, womit ich (wieder) bei meinem Luxusproblem wäre.

Das Herauskramen alter Kochbücher und Links sowie die digitalen Rezept-Ideen meines Öko-Box-Lieferanten und das damit verbundene Umsetzen von Theorie (Rezept) in Praxis (Essen), macht richtig Spaß. Will heißen, ich koche und backe wieder gerne und vor allem mit Leidenschaft. Auch wenn das mit einem entsprechenden Zeitfaktor verbunden ist, so ist es mir das aber wert. Wegen der abwechslungsreichen, frischen und biologischen Kost fühle ich mich körperlich auch deutlich besser. Und: ich bin dabei, eine vegane Kochgruppe zu gründen (so was geht auch in Mittel-Franken!).

Mit kulinarischen Grüßen gebe ich den Staffelstab weiter an Dominik Bigge vom Landratsamt Forchheim. Ich bin gespannt, was du zum Thema „Wohnen/Haushalt“ präsentierst.


Meine persönlichen Tipps

Links für vegane Rezepte

Unter den vielen veganen Kochbüchern hier meine Empfehlung

  • La Veganista – Lust auf vegane Küche

8 Kommentare zu „Tag 42: Leberwurst oder nicht Leberwurst – das ist hier (nicht) die Frage!

  1. Lieber Stephan,

    vielen Dank für die super Tipps zu veganen Rezepten!! da werde ich am Wochenende mal direkt ein paar (süße) Rezepte für unser Osterfrühstück am Sonntag ausprobieren!

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  2. Lieber Stephan,
    find ich super, dass Du Dich wegen unserer Fastenstaffel voll ins Zeug legst und gleich eine vegane Kochgruppe gründen willst. Du musst uns unbedingt von Deinen Erfolgen und Erlebnissen berichten!
    Mir ist noch nicht ganz klar, was den Flexiganer vom Flexitarier unterscheidet, aber ich denke, es ist einfach ein noch stärkerer Verzicht auf tierische Produkte, wobei aber auch Fleisch und Fisch nicht gänzlich fehlt. Eigentlich eine supervernünftige Ernährung, ich denke, genauso ist es aus gesundheitlichen Aspekten am besten. Soweit wie möglich versuche ich das auch einzuhalten, wobei es bei uns einmal in der Woche Fleisch oder Fisch, manchmal auch beides gibt, manchmal dazu noch Gerichte mit wenig Schinken oder Speck, dazu kommt beim Kochen auch mal Sahne, Milch, Butter, Joghurt, Eier zum Einsatz, immer in eher geringen Mengen – manchmal erwische ich mich, wie ich meinen Mann beim Butter aufs Brot Streichen kritisch anblicke, und komme mir dabei vor, als wollte ich ihm die Butter vom Brot nehmen … 🙂
    Beim Essen Gehen wähle ich fast ausschließlich vegetarische Gerichte, die zum Teil auch vegan sind. Man merkt, das Angebot wird besser, aber da ist noch viel Luft nach oben, vor allem, was die Kreativität betrifft, aber auch da gibt es große Unterschiede. Manche Restaurants sind zudem flexibel, andere aber schaffen es nicht, bei einem Gericht mit Ratatouille, Couscous und Schweinemedallions letztere wegzulassen. 😦
    Gestern ging ich mal wieder in die Kantine, wie meistens einmal in der Woche, es gibt täglich vegetarische Kost, zudem sind die Mitarbeiter an der Theke sehr flexibel und kreieren einem auch mal ein Gericht aus den anderen Beilagen. Gestern freute ich mich auf ein vegetarisches Thai-Curry – leider kam das so gut an, dass nur noch der Duftreis übrig war! Dazu bekam ich dann das bunte Gemüse, das es als Beilage zu irgendeinem Fleischgericht gab. Luft nach oben ist hier sicher noch mit regional, saisonal und bio.
    Was ich eigentlich nicht mag, ist vegetarisch/vegane Kost, die im Kleid der traditionellen Küche daherkommt. Ich kann gut auf fleischlose Würste, Schnitzel und Burger verzichten, Schnitzel und Burger sind eh nicht mein Ding, auch Würste nicht, aber sollte es mal irgendwo wieder Schlachtschüssel zu essen geben, würde ich Blut- und Leberwürste – als kleine nette Beilage zu Kraut und Co. – bedenkenlos und mit Gusto essen.

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    1. Liebe Susanne, ich stimme dir zu. Viele vegetarische/vegane Produkte würden vielleicht eher akzeptiert werden, würden sie nicht durch die Benennung mit den gewohnten Geschmäckern der Fleischprodukte verglichen werden. Wenn du vegane Leberwurst nicht schmeckt wie man/frau es von einer Leberwurst erwartet, dann hat sie schnell verloren. Wenn allerdings ein Zwiebel-Tofu-Bohnen Aufstricht angeboten wird, dann schmeckt dieser unter Umständen sehr gut. Weil unser Gehirn nicht unterbewusst versucht Geschmäcker abzugleichen.

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    2. Liebe Susanne,
      die Übergänge vom Flexitarier zum Flexiganer sind fließend. Du hast es schon richtig erkannt, der Verzicht auf tierische Produkte ist beim Flexiganer höher anzusetzen. Ich möchte auch auf Fleisch oder Fisch nicht ganz verzichten, allerdings sollte das maximal einmal pro Woche auf dem Teller landen. Wenn du Produkte im „Fleisch-Mantel“ nicht präferierst, wie wäre es mit Tempeh (Produkt aus ganzen Sojabohnen, das mit essbaren Schimmelpilzen beimpft wird). Hierzu ein leckeres Rezept: http://www.veganguerilla.de/orangen-tempeh/

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  3. Hallo Stephan, das war ja eine wirklich herausfordernde Erfahrung, wenn du gleich zu einer Schlachtschüssel eingeladen wurdest. Das ist wirklich nicht jedermanns Sache. Auf der anderen Seite finde ich es durchaus konsequent. Das Schlachtschüsselessen hat sich ja unter anderem entwickelt, weil man beim Schlachten alle Teile eines Tieres verwendet hat. Ich finde es den Gipfel der Dekadenz, ein Tier zu töten und dann nur gewisse Teile zu konsumieren oder, wie es Jana Edlinger am Wochenende geschrieben hat, andere Märkte mit den ungewollten Teilen zu überschwemmen.
    Gewollt wird nur das zarteste Stück oder das ohne Fett. Auf meinen Reisen hatte ich schon mal in Ecuador eine Hühnersuppe, aus der die Füße des Huhnes herausgeragt sind. Ich denke die eine oder der andere würden durchaus weniger Fleisch konsumieren, würde man 1. erkennen was man da gerade isst oder 2. auch mal auf eine Sehne oder einen Knorpel stoßen. Durch die hochindustrielle Verabreitung gibt es ja faktisch oft „wunderbar“ homogene Stücke.
    Das ist ähnlich wie wenn Gemüse aussortiert wird weil es nicht glatt genug ist oder zu krumm.

    In diesem Sinne wünsche ich dir weiterhin eine schmackhafte flexigane Ernährung. Lass es dir schmecken und erzähle beim nächsten Klimaschutztreffen gerne mal, was alles so in der Öko-Kiste lag 🙂

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    1. Liebe Lena,
      ja, da bin ich ganz deiner Meinung, dass der Fleischkonsum sinken würde, wenn sich erkennen ließe, was man/frau gerade verzehrt und auf unliebsame Stücke trifft. Aber nicht nur hier haben wir ein Luxusproblem, sondern, wie ich es auch in meinem Blog beschrieben habe, auch bei Gemüse und Obst. Wir können optieren, ob wir z. B. Südfrüchte oder nicht konsumieren. Das können Menschen auf der südlichen Halbkugel nicht unbedingt. Und es landet vieles davon auf dem Müll. Das nenne ich auch dekadent. Nur fehlt es beim Gemüse und Obst an der ethischen Komponente. Oder gibt es doch ein Seelenleben der Pflanzen?!

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