Veröffentlicht in Energiesparen und Wohnen, Konsum

„Jetzt leg‘ doch mal das Ding weg!“

Wäre das Internet ein Land, hätte es den weltweit sechsgrößten Stromverbrauch, hat Greenpeace ausgerechnet. Und ich habe immer gedacht, mein Smartphone braucht doch nicht viel Strom.

Das Gerät hängt aber nicht nur am Ladekabel, sondern auch an einer weltweiten Infrastruktur mit Datenleitungen, tausenden Servern, Rechenzentren, Mobilfunkmasten und Satelliten, mit entsprechend hohem Energiebedarf. Dies nehme ich billigend in Kauf, wenn ich mein Smartphone verwende.

Laut „New York Times“ verbrauchen allein die Datenzentren von Google so viel Strom wie eine 200.000-Einwohnern-Stadt.

Der Verzicht auf das Smartphone, den ich mir als Fastenvorsatz vorgenommen habe, wird meine persönliche CO2-Bilanz zwar nur minimal verbessern, spannend ist aber vor allem das soziale Experiment: Wie sehr bin ich schon vom Smartphone abhängig? Könnte ich auch dauerhaft ohne auskommen?  Will ich das überhaupt? Wäre ich ohne vielleicht sogar glücklicher?

Herrjeh!“, rief die Ehefrau, als ich stolz meinen heroischen Entschluss verkündete, „dann bist du ja gaaaar nicht mehr zu erreichen!“ Schon jetzt gelte ich nämlich im Familienkreis als kommunikationstechnisch abgehängt, seit ich von Whatsapp auf den Telegram Messenger umgestiegen bin, für welchen dann kurze Zeit später der Support für mein Handymodell eingestellt wurde. Dass man mir auch eine SMS schicken oder mich gar anrufen könnte, wäre ja auch so was von 20. Jahrhundert!

Smarthone-angekettetBildquelle: Pixabay, bearbeitet durch Landratsamt Bayreuth.

Die Familie muss also in der Fastenzeit ohne meine fernmündlichen Ratschläge auskommen. Das wird ihr gewiss leichter fallen als mir der Verzicht auf den allzeit verfügbaren Wissensspeicher oder den Zugriff auf Sportresultate, Nachrichten, Terminkalender, Kamera und Routenplaner und „Öffi“-Apps. Vielleicht werde ich sogar andere Menschen nach dem Weg fragen müssen? Und unterwegs schnell mal eine Fahrkarte online kaufen und bezahlen, wird auch nicht mehr drin sein. Gibt es eigentlich noch Fahrkartenschalter?

Marine-Traffic

Bildquelle: Screenshot http://www.marinetraffic.com

Sehr hilfreich in meinem oberfränkischem Alltagsleben war bislang auch die App „Marine Traffic“, die mir jederzeit die Positionen, Ziele und Heimathäfen der Schiffe, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, anzeigt, natürlich auch die Bruttoregistertonnen. Sehr entspannend, aber genauso nutzlos wie die Fitness-App, der ich sicher nicht nachtrauern werde, hat mir eh nur ständig ein schlechtes Gewissen gemacht.

Auch E-Mails werde ich unterwegs nicht mehr abrufen können. Fluch und Segen. Was wird überwiegen? Die Freude darüber, dass dann auch keine dienstlichen Mails mehr ins Privatleben vordringen, oder der Frust, nicht jederzeit auf dem Laufenden zu sein und nicht schnell reagieren zu können?

Oft checke ich nämlich schon beim Frühstück immer mal schnell, was in der großen weiten Welt so los ist.  Und wenn ich ehrlich bin, wird eigentlich fast jede Wartesituation durch den Griff zu Smartphone überbrückt, selbst als Fußgänger und auch – ich gestehe – zuweilen selbst auf dem Fahrrad. Bin ich schon reif für die Suchtberatung? Da ist die Glaubwürdigkeit schnell dahin, wenn man die eigenen Kinder zu moderatem Medienkonsum erziehen will. Außerdem nervt es mich selbst. Zum Multitasking bin ich nicht geschaffen, es tut gut, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren.

Nach einer Studie der Marketing-Agentur Tecmark  greift der durchschnittliche Nutzer pro Woche 1.500 Mal zu seinem Smartphone, das heißt 214 Mal pro Tag.

Darum freue ich mich, dass mir die Fasten-Staffel den Anlass bietet, meinen Smartphone Konsum zu reduzieren. Mal sehen, ob ich es durchhalte. Vielleicht haben ja die Simplify-Your-Life Protagonisten recht, dass damit ein Plus an Lebensqualität einhergeht.

Update folgt.

CO2 Ausstoß durch Online-Aktivitäten

CO2 Fußabdrücke

g CO2e

Anzahl, die 10 km Autofahren entspricht (120 g CO2e /km)

Eine E-Mail  versenden          4                     300 E-Mails
Eine E-Mail mit großem Anhang versenden        50                       24  E-Mails
Eine Google Suche auf altem Desktop PC          5                      267  Suchanfragen
Eine SMS versenden              0,014                                              85.714
Quelle: https://phys.org/news/2015-11-carbon-footprint-email.html#jCp

(Danke, Gesa Thomas, für den Tipp. Vielleicht kannst du gelegentlich noch recherchieren, wie die Zahlen ermittelt wurden)

Weitere Fakten

  • Mittlerweile sind 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt online.
  • Der Energiebedarf deutscher Rechenzentren liegt momentan bei zehn bis fünfzehn Milliarden Kilowattstunden.
  • Der Strombedarf des Internets entspricht der Stromproduktion von 25 Atomkraftwerken.

Wie ging`s weiter?

Der Erfahrungsbericht nach 46 Tagen Smartphone-Entzug

LINKS

 Bernd-Rothammel-3Der Autor:

Bernd Rothammel ist Klimaschutzmanager des Landkreises Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Bayreuth.

Bildquelle: Landratsamt Bayreuth
Bildquelle Titelbild: Landratsamt Bayreuth, Zeichnung: Gesa Thomas

18 Kommentare zu „„Jetzt leg‘ doch mal das Ding weg!“

  1. Wie spannend, ein soziales und ein engergieeinsparendes Projekt in einem. Es stimmt zwar, dass dies deinen CO2-Fußabdruck bilanziell wohl nicht merklich drücken wird. Aber du deutest ja schon an, dass es darauf ankommt was alles mit hineingerechtnet wird. Laut verschiedener Studien verursacht eine Google-Suche 5 bis 10 g CO2. Das sind Verbräuche, die wir weder spüren noch (vollständig) bezahlen oder uns gar bewusst sind. Daher finde ich es sehr gut, dass du hier dein Bewusstsein schärfen willst.

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  2. Man kann ein Smartphone auch über Nacht ausmachen. Das vergessen die meisten. 😉 Warum ist ein Handy über Nacht an und verbraucht Energie, obwohl man schläft und eh nicht erreichbar sein kann/will/muss? 😀

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      1. krasser Vorsatz komplett aufs Smartphone zu verzichten! Respect. 🙂
        Wenn ichs richtig verstanden habe, meint ihr beiden jetzt: Handy über Nacht aus während dem Laden?! Wäre mal interessant, ob das für Google’s Datenzentren ausschlaggebend wäre, wenn jeder sein Handy nachts ausschaltet bezüglich dem Datentraffic

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  3. Sehr lustig, Herr Rothammel 🙂 Zitat: „Der Strombedarf des Internets entspricht der Stromproduktion von 25 Atomkraftwerken.“

    Hinweis: Der Strom dieser 25 Atomkraftwerke ist nahezu 100% CO2-frei. Nur mal so als Hinweis 🙂

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    1. Mal abgesehen davon, dass es in diesem Vergleich nur darum ging, die Größenordnung des Stromverbrauchs durch das Internet zu veranschaulichen, sind auch Atomkraftwerke keineswegs nahezu frei von CO2 Emissionen.

      Ich zitiere hierzu die Website des Umweltbundesamtes: „Atomstrom ist keineswegs CO2-neutral. Atomkraftwerke verursachen im Betrieb zwar keine CO2-Emissionen. Aber: Die Treibhausgasemissionen sind größtenteils der Stromproduktion vor- und nachgelagert. Betrachtet man den gesamten Lebensweg – von Uranabbau, Brennelementherstellung, Kraftwerksbau und -rückbau bis zur Endlagerung – so ist in den einzelnen Stufen des Zyklus zum Teil ein hoher Energieaufwand nötig, wobei Treibhausgase emittiert werden. Atomkraft verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen als Kohlekraftwerke, aber mehr als die erneuerbaren Energien.“

      Gefällt 3 Personen

      1. Die sog. „Graue Energie“, also die Komplettbetrachtung aller Einflüsse auf den jeweiligen Energieträger steckt selbstverständlich auch in den sog. „Erneuerbaren“. Windindustrieanlagen liegen ein bisschen besser, PV allerdings deutlich schlechter als KKWs. Ganz abgesehen von den tausenden Tonnen Schwermetall-Sondermüll, den sie produzieren.
        Lesetip: https://www.bundestag.de/blob/504060/d408ca51555a813c5b3a750c4c0c1fa1/co2-bilanzen-verschiedener-energietraeger-im-vergleich-data.pdf

        KKWs haben im Gegensatz zu Wind und Solar den Vorteil, 24/7 zur Verfügung zu stehen. Bei EEs benötigt man, solange weiter kein Speicher zur Verfügung steht, immer eine zweite, fossile oder nukleare Erzeugerkette.

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  4. Lohnt es sich zu kommentieren? Du bist doch wohl nicht online??? 🙂
    Apropos dienstliche oder auch nicht dienstliche Emails: Diesen Link habe ich letzten Jahr von einem Verwandten bekommen, als ich alle über die Fastenstaffel 2017 informiert habe:
    https://phys.org/news/2015-11-carbon-footprint-email.html
    Also, viel Erfolg dabei, nicht online zu sein. Schenk Deinen Mitarbeiterinnen doch einfach das Vertrauen, dass sie sich auch ohne Deine telefonische Hilfe von zu Hause gegenseitig ablenken – wir schaffen das schon 😉

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    1. Danke, Gesa, für den Link-Tipp. Habe meinen Artikel um ein paar interessante Fakten daraus ergänzt. Erstaunlich ist, dass der Versand von SMS um Größenordnungen energieeffizienter ist als das Schreiben von E-Mails. Weiß jemand, wie das bei Whatsapp & Co. aussieht?

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    1. Sehr geehrter Herr Heinze,
      da dies nicht in erster Instanz ein Pro-Contra-Atomkraft Blog ist, habe ich überlegt, ob ich das Thema hier noch weiter vertiefen soll. Aber man kann, was Sie schreiben, so nicht stehen lassen, weil es nur die halbe Wahrheit ist. So verbirgt sich den von ihnen zitierten „profiliertesten“ Klimaforschern verbirgt sich, wenn man das Greenpeace-Interview ließt, nur eine Person, und zwar der umstrittene James E. Hansen.
      Wenn man das Interview zu Ende liest findet sich folgende aufschlussreiche Passage:
      „Kritiker werfen ihm [Hansen] vor, durch sein politisches Engagement und seinen „Alarmismus“ die Glaubwürdigkeit der gesamten Klimaforschung aufs Spiel zu setzen. So warnte Hansen in den letzten Jahren, der eskalierende Klimawandel werde die Ozeane zum Kochen bringen und die Erde, fast wie die Venus, unbewohnbar machen. Der Harvard-Umweltwissenschaftler Daniel P. Schrag, über die Erwärmung ebenfalls „tief besorgt“, kommentierte das in der New York Times: „Ich habe großen Respekt vor Jim. Aber in diesem Fall muss ich sagen: Hansen übertreibt.“

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      1. Lieber Herr Rothammel,
        Herr Hansen ist also jetzt „umstritten“? Seine Theorie des anthropogenen Klimawandels oder was?
        Hansen ist auch bei weitem nicht allein.

        „Nun fordern vier renommierte Klimaforscher eine Rückbesinnung auf die Kernkraft. Der Widerstand gegen Atomkraftwerke gefährde den Kampf gegen den Klimawandel, schreiben Ken Caldeira, Kerry Emanuel, James Hansen und Tom Wigley in einem offenen Brief. Hansen leitete von 1981 bis 2013 das Goddard Institute for Space Studies der Nasa und warnte bereits in den achtziger Jahren vor den Folgen des Klimawandels.“
        http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/renommierte-klimaforscher-fordern-renaissance-der-kernkraft-a-931619.html

        Und der Weltklimarat:
        „Eine bedeutsame Option ist aus Sicht des IPCC offenbar der Ausbau nichtfossiler Energieträger; so viel war schon am Montag bekanntgeworden. Allerdings gehören dazu nicht nur Sonne oder Wind, sondern nach Meinung des Klimarates auch die Atomkraft und die Abscheidung von Kohlendioxid in Kohlekraftwerken. In solche Methoden müssten jedes Jahr 147 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden, in fossile Energien hingegen 30 Milliarden Euro weniger.“
        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/ipcc-weltklimarat-setzt-auf-ausbau-der-atomkraft-12884446.html

        Wenn Sie CO2-Fasten wollen, ohne Alternativen zur fossilen Energie auch nur zu diskutieren, können Sie Ihr Handy anlassen oder ausschalten, ganz wie Sie wollen. Es bleibt eine rein persönliche Tätigkeit.

        Wollen wir nicht gesamtgesellschaftliche Änderungen erwirken? Und ist dazu nicht eine echte! Debatte notwendig, die auch mal über den antinuklearen deutschen Tellerrand blickt? Ihnen ist sicher auch bekannt, dass der Stromsektor ja nur ein Teilbereich der CO2-Emmittenten darstellt. So diskutiert man anderswo bereits über nukleare Fernwärme:
        http://nuklearia.de/2018/02/03/nukleare-fernwaerme/

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  5. Lieber Bernd,

    super, Dein Fastenvorsatz – ohne davon zu wissen, hatte ich schon bemerkt, dass Du auf meine GANZ WICHTIGen MAILS nicht reagiert hast, wo Du sonst auch mals schnell von unterwegs …
    Ehrlich gesagt, habe ich mir schon immer gedacht, ganz schön stressig für Dich, überall und immer von Nachrichten der Klimaschutzkollegen und anderen behelligt wirst.
    Persönlich bin ich froh, dass meine dienstlichen E-Mails nur auf meinem Rechner hier im Büro landen, und ganz häufig gehe ich am Wochenende gar nicht online und kümmere mich auch um private Mails erst wieder unter der Woche.
    Ein Smartphone habe ich mir auch nur widerwillig angelegt, eigentlich hauptsächlich, um von unterwegs, z.B. bei dienstlichen Bahnfahrten, auch online gehen und die Zeit nutzen zu können, um zumindest E-Mails zu checken und zu beantworten, Recherchen zu machen etc. oder die Bahnapp zu nutzen.
    Seit Wochen bin ich deswegen nun auf Kriegsfuß mit meinem Lumia, die Bahnapp „zickt“ und steigt bei der Suche nach Verbindungen jedesmal aus, ich kann also keine Zugverbindungen von unterwegs nachschauen oder online Tickets lösen – jetzt müssen die Papiervarianten wieder herhalten! Ökologisch besser?
    Aber ich habe offen gesagt keine Zeit und Lust mich derzeit näher mit dem Problem zu befassen, da gibt es so viele wichtigere, dringendere … und auch SCHÖNERE Dinge im Leben … 🙂

    Auf alle Fälle bin ich auf Deine Erfahrungen gespannt, Bernd, und ob Du es auch tatsächlich durchhältst!

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  6. Lieber Bernd,

    super, Dein Fastenvorsatz – ohne davon zu wissen, hatte ich schon bemerkt, dass Du auf meine GANZ WICHTIGEN MAILS nicht reagiert hast, wo Du sonst auch mals schnell von unterwegs …
    Ehrlich gesagt, habe ich mir schon immer gedacht, ganz schön stressig für Dich, überall und immer von Nachrichten der Klimaschutzkollegen und anderen behelligt zu werden.
    Persönlich bin ich froh, dass meine dienstlichen E-Mails nur auf meinem Rechner hier im Büro landen, und ganz häufig gehe ich am Wochenende gar nicht online und kümmere mich auch um private Mails erst wieder unter der Woche.
    Ein Smartphone habe ich mir auch nur widerwillig angelegt, eigentlich hauptsächlich, um von unterwegs, z.B. bei dienstlichen Bahnfahrten, auch online gehen und die Zeit nutzen zu können, um zumindest E-Mails zu checken und zu beantworten, Recherchen zu machen etc. oder die Bahnapp zu nutzen.
    Seit Wochen bin ich deswegen nun auf Kriegsfuß mit meinem Lumia, die Bahnapp „zickt“ und steigt bei der Suche nach Verbindungen jedesmal aus, ich kann also keine Zugverbindungen von unterwegs nachschauen oder online Tickets lösen – jetzt müssen die Papiervarianten wieder herhalten! Ökologisch besser?
    Aber ich habe offen gesagt keine Zeit und Lust mich derzeit näher mit dem Problem zu befassen, da gibt es so viele wichtigere, dringendere … und auch SCHÖNERE Dinge im Leben … 🙂

    Auf alle Fälle bin ich auf Deine Erfahrungen gespannt, Bernd, und ob Du es auch tatsächlich durchhältst!

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