Veröffentlicht in Norbert Heimbecks Klimarezept der Woche

Das Prinzip Sonntagsbraten

„Könnten Sie uns vegane oder zumindest vegetarische Rezepte für unsere Fastenaktion liefern?“ Meine erste Reaktion auf diese Frage des Klimaschutzmanagers Bernd Rothammel war: Hm. Schon wieder das leidige Veggie-Thema? Doch dann habe ich überlegt: Du bist ja selbst sparsam beim Fleischkonsum. Wir sprechen nicht grundlos vom Sonntagsbraten. Soll heißen: Wir brauchen nicht täglich Fleisch oder Wurst auf dem Teller. Denn die fränkische Küche wird zu Unrecht reduziert auf Bratwurst und Schäufele. Bagges und Schnitzla-Supp’n, Klöße in Dutzenden Variationen, Eierschmalz und Erdäpfelkäs‘ – die Datenbank der Genussregion Oberfranken zeigt über 300 köstliche Spezialitäten, darunter viele fleischlose.  Mein CO2-Fußabdruck von 6,75 Tonnen (laut CO2-Rechner des Umweltbundesamtes) kommt bestimmt  nicht von ungefähr.

Als Leiter der Regionalgruppe Oberfranken von Slow Food versuche ich stets, Menschen von der Verwendung regionaler Produkte zu überzeugen. Denn: Erdbeeren an Weihnachten und Spargel im September – brauche ich nicht und schmeckt nicht. Denn Obst und Gemüse aus der Region, das auf dem Höhepunkt seiner Reife geerntet wird, ist aromatisch am besten entwickelt. Außerdem ist es kostengünstig, wenn alle Bauern gleichzeitig Spargel, Zwetschgen oder  Erdbeeren auf den Markt bringen. A propos Markt: Etwa ein Drittel der verkauften Lebensmittel landet im Müll. Wer auf dem Wochenmarkt einkauft, bekommt auch mal nur zwei Karotten oder einen halben Krautkopf.

Zu meinem Verständnis von guter, sauberer und fairer Ernährung gehört aber auch Fleisch. Wild steht bei uns häufig auf dem Tisch, vom Jäger „aus der Nachbarschaft“ erlegt. Und Fleisch kommt bevorzugt von Tieren, die auf der Weide gehalten werden. Es gibt in unserer Region zahlreiche  Bauern, die in diesem Bereich wirklich tolle Arbeit leisten.

Das Durchstöbern meiner Kochbücher nach Themen für die CO2-Fastenaktion hat echt Spaß gemacht. Und es hat mir wieder mal gezeigt: Es schmeckt tatsächlich auch ohne Fleisch. Die Gemüsevielfalt ist einfach grandios. In den letzten Wintertagen  greifen wir zu Kohl und Rüben aus dem Vorratskeller und freuen uns auf den beginnenden Frühling.  Zu Beginn der kleinen Artikelserie gibt’s ein Rezept mit einem meiner Lieblingsgemüse: Wirsing.

Curry-Wirsing (für vier Portionen)

Das braucht man: 2 Zwiebeln, 1 Wirsing, Öl zum Braten, 500 ml Gemüsebrühe, 2 EL Currypulver, 200 ml Sahne, Petersilie, Salz, 1 Handvoll Erdnüsse oder Cashewkerne

So wird’s gemacht: Zwiebeln schälen und würfeln, Wirsing putzen, waschen und in Streifen schneiden. In einem großen Topf etwas Öl erhitzen und Zwiebeln darin glasig dünsten. Kohl hinzufügen, anbraten und mit Gemüsebrühe ablöschen. Currypulver hinzugeben und alles ca. 15 Minuten lang garen. Sahne dazugießen, Petersilie hacken und unterheben, abschmecken. Mit Reis oder Kartoffeln servieren, dazu die Nusskerne reichen.

Für eine vegane Version statt Sahne einen entsprechenden Ersatz verwenden. Statt der exotischen Nüsse passen auch Walnüsse sehr gut. Guten Appetit!

Das Bild wurde von Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld fotografiert.

Autor:

30 Jahre lang habe ich als Journalist in Bayreuth über Themen aus dem Bereich Ernährung, Genuss und Kulinarik berichtet. Seit April 2015 leite ich die Slow Food-Regionalgruppe Oberfranken.

15 Kommentare zu „Das Prinzip Sonntagsbraten

  1. Lieber Norbert Heimbeck,
    auf die guten Ideen für die vegetarisch-vegane Küche freue ich mich schon die ganze Zeit – und gut, dass das Rezept immer schon Freitag „geliefert“ wird, da kann man noch rechtzeitig, die Zutaten besorgen.
    Wirsing ist eigentlich ein verkanntes Gemüse und aus Kindertagen erinnern sich wohl noch so einige an „grauen“ Gemüsebrei mit viel Einbrenne (grrrrr ….). Leider findet man auch wenig gute Rezepte in „normalen“ Kochbüchern, selbst vegetarische Kochbücher sind nicht sehr erfinderisch, da muss dann eben die eigene Phantasie … oder eben gute Tipps von anderen ran.
    Wirsing stand bei uns diese Woche auch schon zweimal auf dem Speiseplan. Karl – mein Mann – und ich sind nämlich unverhofft zu Lebensmittelrettern geworden, da Karl aus dem Büro immer Gemüse mitbekommt, das wiederum ein Bekannter des Chefs, wohl Gemüsehändler, verschenkt, bevor es ungenießbar wird. Da wir schon als Gemüse“fetischisten“ bekannt sind, bekommt Karl immer ’ne große Charge mit nach Hause. Diese Woche war’s: Wirsing, Rotkohl, verschiedene Paprika. Am Montag gab’s tatsächlich bei uns auch Curry, nur mit buntem Gemüse inklusive Wirsing (und Kokospaste + Tomatenpürree als Soße, also vegan), gestern gab’s Wirsingpastete mit Wirsingblättern ( 🙂 ) und Polenta, darin waren Kräuter und Lauchgrün, vegan war’s nicht, weil zwei Eier und etwas Käse zum Überbacken dabei waren.
    Diese Wochenende wird wohl das Wirsingcurry nicht gleich im Programm sein, da muss erst einmal das andere Gemüse weg.
    Übrigens – ich bin bei der Suche nach guten Ideen für Rote Beete noch nicht so richtig fündig geworden …. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Susanne,
      toll, wenn Ihr einen „Gemüselieferanten“ habt, der für steten Nachschub sorgt. Wir pflegen hier in Bayreuth in der Foodsharing-Gruppe einen regen Austausch und konnten schon tonnenweise Lebensmittel vor der Tonne retten.
      Es gibt einige vegetarische Kochbücher, die ich gerne empfehle:
      – Teubners „Vegetarisch“ (keine Ahnung, ob das noch aufgelegt wird, ich benutze es seit vielen Jahren),
      – „Aroma – Gemüse“ von Thomas Vilgis (ist sehr wissenschaftlich geschrieben, aber erklärt genau, welche Aromen weshalb mit anderen harmonieren und gibt Tipps zum Ausprobieren,
      – „Leaf to root“ von Esther Kern und Pascal Haag (gibt Anregungen, wie man die komplette Pflanze verwenden kann).

      Es ist die Herausforderung gerade jetzt, wenn die Wintervorräte zur Neige gehen und noch kaum frisches Gemüse angeboten wird, etwas Schmackhaftes auf den Teller zu bringen. Wirsingpastete mit Wirsingblättern finde ich sehr gut! 😉
      Ein paar Rezepte findest Du auf meinem Blog: https://heimbeckswelt.wordpress.com

      Rote Beete liebe ich. Stehe aber in meiner Familie leider mit dieser Leidenschaft alleine da. Zufällig habe ich auch ein RB-Rezept für die Fastenstaffel geplant 😉
      Mit genussreichen Grüßen,
      Norbert Heimbeck

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      1. Lieber Norbert,
        nun bin ich natürlich doppelt gespannt, wann und welches Rezept Du uns mit Roten Beeten servieren …, äh präsentieren wirst! Und danke für die Kochbuchtipps!
        Vielleicht kannst Du uns beim nächsten Blog noch was über Eure Food-sharing-Gruppe erzählen?

        Dann wünsch‘ ich Dir viele Nachköche und ein schönes Wochenende!

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    1. Meine Kohl-Liebe ist auch erst im Erwachsenenalter entstanden.
      Ich erinnere mich nur mit Schrecken an die Linseneintöpfe meiner Mutter. Da hat auch das Würstchen nix mehr gerettet.
      Habt Mut, den Kohl nur knapp zu garen. Dann ist er nicht nur gesünder, sondern schmeckt auch besser und sieht schöner aus.
      Kleiner Tipp: Kümmel, Fenchel oder Ingwer im Kochwasser helfen gegen Blähungen, ein Schuss Essig im Kochwasser verhindert starken Geruch.

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  2. Danke Norbert, dieses Rezept werden wir auch probieren. Wir lieben Wirsing, auch in der klassischen Variante. Unsere Hühner beenden jetzt langsam die Winter-Legepause. Zusammen mit frischen Eiern und fränkischen Kartoffeln schmeckt uns Wirsing auch schon prima. Ein echtes Festmahl – mindestens eine Alternative zum Sonntagsbraten. Aber die Curryvariante kommt während der Fastenstaffel auf den Tisch. Momentan köchelt eine deftige Gemüsesuppe mit Zutaten von regionalen Anbietern.

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    1. Hallo Ingrid, stellvertretend für alle Nach-Kocher 😉
      Vielen herzlichen Dank für Euer Lob. Bei Gemüse ist es nicht immer einfach, den Geschmack der Gäste zu treffen. Umso schöner, wenn mein Liebling Wirsing neue Freunde gefunden hat.

      Dann gehe ich mal mutig ans weitere Fastenstaffel-Werk und suche noch ein paar Rezepte aus, die nicht so ganz alltäglich sind …

      Mit genussreichen Grüßen,
      Norbert Heimbeck

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  3. Meine Große ist definitiv kein Wirsing-Fan. Als ich am Montag das Rezept nachgekocht habe, sagte sie, während ich den Kohl schnitt nur „Yuck! Wirsing!“, als er auf dem Herd war und der Currygeruch einsetzte „Komisch, riecht gar nicht so schlecht.“ und während des Essens sagte sie gar nichts mehr, sondern nahm sich zweimal nach.

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