Veröffentlicht in Energiesparen und Wohnen, Mobilität

Familie Jessenberger plant eine nachhaltige Energieversorgung fürs Haus – die richtige Beratung macht’s!

Liebe CO2-Fastende, Klimaschutzaktive und Hauseigentümer,

als 1. Vorsitzender des Energiewende ER(H)langen e.V. arbeite ich mit vielen Mitstreitern seit vielen Jahren daran, die Umsetzung der Energiewende in der Stadt Erlangen und im Landkreis Erlangen-Höchstadt, in dem ich selbst wohne, zu beschleunigen. Vor kurzem hat unser Verein die Regionalkonferenz „Energiezukunft gestalten! Gemeinsam!“ u. a. mit den Energiewende-Pionieren Hans-Josef Fell und Prof. Volker Quaschning als Referenten und über 150 Besuchern ausgerichtet.

Bei unserer Arbeit begegnen uns u. a. immer wieder Fragen von Hauseigentümern wie sie ihr Haus möglichst klimaneutral mit Strom sowie Wärmeenergie versorgen können. Deshalb haben wir eine Energiesystemberatung durch unabhängige Energieberater auf Kreisebene angeregt und mit dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt auf den Weg gebracht. Da auch meine Familie vor der Frage steht, welches erneuerbare Energiesystem eine Alternative zur unserer bestehenden Öl-Heizung mit solarthermiegestützter Brauchwassererwärmung sein kann, wollten wir den neuen Service gleich ausprobieren.

Die Ausgangssituation

Unser Haus wurde 2003 nach den Vorschriften der EnEV 2002 gebaut. Bislang wohnen wir zu viert. In absehbarer Zeit werden wir nur noch zu zweit sein, weil beide Kinder bald ausziehen, wichtige Rahmenparameter für die Systemauswahl und Dimensionierung. Zudem kommen Maßnahmen zur Wärmedämmung an der Gebäudehülle für uns aus optischen und aufwandstechnischen Gründen nicht in Frage.

Wohnhaus

Derzeit verbrauchen Heizung und Warmwassererzeugung jährlich etwa 1.300 Liter (~13.000 kWh) Öl, wobei das Warmwasser bereits zu einem guten Teil mittels Solarthermie erzeugt wird. Hinzu kommt ein mittlerer Stromverbrauch von ca. 2.500 kWh pro Jahr, der zuletzt auf 2.900 kWh gestiegen ist, weil wir uns einen Elektro-Kleinwagen angeschafft haben. Den Strombezug aus dem öffentlichen Netz konnten wir durch eine Photovoltaik-Anlage (3,7 kW) auf dem Carport, bereits auf ca. 70 % bzw. 2.000 kWh reduzieren, der Überschuss-Strom wird eingespeist.

Einfach nur die Heizung tauschen?

Unser Ziel ist es, die Nutzung fossiler Energien drastisch, im besten Fall auf Null, zu reduzieren. Die Sonne schenkt uns immerhin rund 1.000 kWh Energie pro Jahr und Quadratmeter unseres Grundstückes. Das sind umgerechnet 100 Liter Öl pro qm, die uns nichts kosten, keine Kriege um Ressourcen verursachen, das Klima schonen und so auch Fluchtursachen nicht weiter verstärken. Fragt sich nur: wie?

Die Auswahl an möglichen Heizungssystemen ist mittlerweile riesig. Die Technik wird immer besser, aber auch komplexer. Von solarthermischen Systemen mit großen (Saison-)Wärmespeichern, biomassebasierten Systemen über meist mit Erdgas oder sog. „Öko-Gas“ betriebenen Blockheizkraftwerken oder Brennstoffzellen bis hin zu (solar-)elektrisch betriebenen Wärmepumpen oder Infrarotheizungen ist vieles möglich. Bei strombasierten Heizsystemen können Ökostromtarife und die eigene Photovoltaik-Anlage dabei helfen, ganz auf regenerative Energien zu setzen.

Natürlich muss beim Vergleich auch berücksichtigt werden, welche Systeme aufgrund des vorhandenen Wärme-Verteilungssystems (teils Fußbodenheizung, teils Heizkörper) technisch überhaupt möglich oder sinnvoll sind. Es lässt sich keine pauschale Aussage treffen, insbesondere beim Bestandsgebäude.

Deshalb ist eine gute Beratung Gold, bzw. Geld wert!

Besichtigung Heizungsanlage

Die Energie im Verbund denken!

Als Vorteil für den Energieberater erweist sich, dass aufgrund persönlicher Präferenzen und individueller Gegebenheiten einige Optionen ausgeschlossen sind, z.B. aufgrund der Feinstaub-Problematik bei Pellets oder einer fehlenden Gas-Infrastruktur. Dennoch bleiben etliche Varianten. Viele Hausbesitzer haben sich in letzter Zeit entschieden, ein kombiniertes Photovoltaik-Wärmepumpen-System zu nutzen. Hier höre ich häufig das Argument, dass der Strom der Photovoltaik-Anlage im Gegensatz zur Wärme der Solarthermie-Anlage auch im Sommer genutzt werden könne, da mit Kühlschrank, Waschmaschine etc. viele elektrische Verbraucher im typischen Haushalt aufwarten. Gleichzeitig gibt es aber auch Verfechter der sog. Sonnenhäuser, die Wärme primär mittels Solarthermie gewinnen und diese saisonal speichern, um diese in der Übergangszeit und im Winter nutzen zu können. Um zumindest einen Teil der Sonnenwärme auch im Sommer nutzen zu können, ist der Einsatz von Waschmaschinen und Geschirrspüler mit Warmwasseranschluss notwendig.

Mobilität als weitere beeinflussende Größe

Isoliert und auf Basis aktueller Rohstoffpreise betrachtet, scheinen Öl- oder Gasheizung, ggf. kombiniert mit solarthermischen Anlagen, trotz gesunkener Preise für Photovoltaik- und Wärmepumpen-Anlagen, die wirtschaftlich günstigeren Systeme zu sein. Aber wie sieht die Rechnung aus, wenn man Preissteigerungen bei Öl und Gas sowie höhere Betriebs- und Austauschkosten dieser Anlagen mit berücksichtigt oder wenn man in die Rechnung Erlöse von Überschussstrom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage oder gar Effekte durch die Nutzung des Stroms für die Elektromobilität einbezieht? Effekte, die sich nicht ergeben, wenn ausschließlich solarthermische Anlagen zum Einsatz kommen.

Mit Solarstrom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage, die wir selbst im Haushalt nutzen, sparen wir aktuell ca. 16 Cent gegenüber Strom vom Energieversorger. Und immer wenn unser E-Auto mit eigenem Sonnenstrom geladen werden kann, tragen wir so nicht nur zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors bei, sondern auch unsere Kosten reduzieren sich pro 100 Kilometer um vier bis fünf Euro im Vergleich zur Nutzung eines „Benziners“.

Spätestens hier zeigt sich, dass ein Vergleich der resultierenden Energiekosten sowie der CO2-Minderungspotentiale der verschiedenen Anlagen- und Nutzungskonzepte selbst für gut Informierte keine einfache Aufgabe ist. Eine gute Beratung kann so ein Vielfaches dessen sparen, was ein schlechtes System an Mehrkosten über die avisierte Nutzungsdauer verursachen könnte und gibt zugleich einen Vergleich der eingesparten CO2-Emissionen.

Wir freuen uns nun auf die Auswertung unserer individuellen Energiesystemberatung, um dann, gut beraten, zeitnah eine Entscheidung für unser zukünftiges Energieversorgungssystem treffen können und hoffen aus Sicht des Energiewende-Vereins auf viele Nachahmer im Landkreis.

Sie interessieren sich für eine Energiesystemberatung für Ihr Haus?

Anmelden können Sie sich beim Klimaschutzbeauftragten des Landkreises Erlangen-Höchstadt, Simon Rebitzer, unter 09131/803-380229. Weitere Infos finden Sie hier.

Quellen:

Foto „Beratungsgespräch“: Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Foto „Haus Familie Jessenberger“: Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Foto „Heizungsraum“: Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Illustration „Sektorkopplung“: Link
Foto „Carport und E-Auto“: privat

Autor:

Klimaschutzmanager Landkreis Erlangen-Höchstadt

2 Kommentare zu „Familie Jessenberger plant eine nachhaltige Energieversorgung fürs Haus – die richtige Beratung macht’s!

  1. Lieber Herr Jessenberger, vielen Dank für Ihren hochinteressante Beitrag, der mich optimal auf den heutigen Tag einstimmt. Gestern und heute bin ich beruflich auf der Bau- und Wohnenmesse in Tirschenreuth, Herr Rösch vom etz Nordoberpfalz wird heute wieder einen Vortrag zum Thema „Moderne Heizsysteme halten“ – er bringt hoffentlich viele Bauwillige und Sanierer zum Handeln.

    Übrigens, Gratulation zur Gelungenen ABSI-Jahrestagung in Erlangen, auf der ich zugegen sein durfte. Insbesondere Prof. Quaschning gab in seinem Vortrag den Anwesenden mit Verve die Argumente an die Hand, warum wir die Energiewende beherzt angehen müssen, um den Klimawandel noch bremsen zu können!
    Einen schönen Sonntag wünsche Ich!

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  2. Lieber Stefan, fantastisch wie konsequent du das Thema angehst. Ich bin sehr gespannt, für welche Systemkomponenten ihr euch entscheiden werdet.

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