Veröffentlicht in Allgemein

Challenge 38: Pack dich, Plastik!

… oder von der Kunst des kunststoffarmen Einkaufs

Im Kunstmuseum freut man sich über die beeindruckenden Plastiken der alten Meister. Weniger zeitlos, deutlich unerfreulicher, aber beeindruckend ähnlich langlebig wie die alten Skulpturen ist das wortverwandte Plastik beim Einkaufen…
Bei der heutigen Challenge geht es um Plastikvermeidung beim Einkauf – das Level bestimmst du selbst!

Challenge 37: Vermeide Plastikverpackungen beim Einkauf

Plastikarm statt Plastikalarm

Unsere Umwelt zeigt uns zweifelsfrei, dass wir ihr zuviel Plastik und Mikroplastik zumuten. Bilder und Nachrichten von vermüllten Stränden und verendeten Seevögeln und Meerestieren bevölkern die sozialen Netzwerke ebenso wie die klassischen Medien. Die Produktion von Plastik, egal ob aus Rohöl oder aus Biopolymeren, setzt Treibhausgase frei, die Verbrennung nach häufig nur einmaligem Gebrauch ebenso. Klar, es gibt Bereiche, in denen der Einsatz von Kunststoffen sehr sinnvoll ist, zum Beispiel in der Medizin. Aber bei Verpackungen?
Geht es nicht auch ohne? Heute heißt es, den Einkauf möglichst frei von Plastik zu überstehen. Da das gar nicht so leicht ist, hast du heute die Plastik-Challenge-Wahl (statt Plastik im Wal…) je nach Machbarkeit.

Level Einsteiger*in: Erste Schritte zum plastikarmen Einkauf im Supermarkt

Tipp 1: Pfandgläser und -flaschen statt Plastikverpackung Eigentlich wissen wir es doch alle: Pfandglasflaschen und Pfandglasbehälter können sehr häufig wiederbefüllt werden und haben produktionstechnisch eine deutlich bessere Ökobilanz als die meisten anderen Verpackungen. Aber Vorsicht: Wenn das schwere Glas von sehr weit her kommt, schlagen hier wieder Emissionen durch den Transport zu Buche. Also am besten den lokalen Biojoghurt im Pfandglas und die Milchabfüllanlage nutzen, die es schon an einigen Läden gibt.

Noch ein Pluspunkt: Hier kann man auch seine Einweg-Gläser zu Mehrweg machen!

Tipp 2: Käsethekenbesuch mit Brotdose Auch nicht neu, aber doch so selten umgesetzt. Statt dem eingeschweißten Käse (oder Wurst) aus dem Kühlregal zu nehmen, einfach vorplanen und mit Brotdosen oder Einmachgläsern bewaffnet zur Käse- (oder Wurst-) Theke schreiten. Manchmal wird darum gebeten, nur Dosen oder Gläser mit abnehmbarem Deckel zu nutzen wegen Hygienevorschriften.

Tipp 3: Genau hinschauen Oft gibt es auch im Supermarkt Alternativen zur Plastikverpackung, z.B. Leberwurst im Glas oder Haferflocken in der Papiertüte.

Tipp 4: Achtung, Falle! Nicht alles, was wie reine Papierverpackung wirkt, ist es tatsächlich auch. Kunststoffbeschichtungen verhindern manchmal das Recycling, insbesondere bei Coffee-To-Go-Bechern. (Der typische Getränkekarton hingegen kann recht gut getrennt werden, aber auch er verbraucht Erdöl-Ressourcen; Vergleich der Ökobilanzen bei den Links). Und noch gemeiner: Gerade bei Shampoos, Peelings, Zahnpasta und Co. wird oft Mikroplastik eingemischt!

Tipp 5: „A weng a Dieden?“ Das war die erste fränkische Phrase, die ich (als norddeutsche Muschelschubserin) nach meinem Umzug nach Franken an der Supermarktkasse kennenlernte. Aufgrund meiner Fränkisch-Unkenntnis war ich in Sekundenschnelle Besitzerin mehrerer Plastiktüten. Aber auch auf Hochdeutsch fehlt mir jegliches Verständnis für die Tütenausgabe an Kassen, habe ich doch immer diverse Beutel in meinem Rucksack. Gut, dass es die Plastiktüten nicht mehr kostenfrei gibt. In vielen Läden gibt es jetzt auch wiederverwendbare „Frischenetze“ als Option für den Obstkauf. Ökobilanzen zu Beuteln und Tüten in den Links.

Level Fortgeschrittene*r: Abstecher zum Markt, Gemüseladen oder Bioladen

Tipp 1: Junges Gemüse: Marktbesuch (wie hier an meinem Lieblings-Demeter-Stand in Bayreuth) und regionales Einkaufen sind für Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch und Antipasti eine grandiose Option, verpackungsfrei einzukaufen. Manchmal muss man aber immer noch schnell genug den Einkaufsbeutel oder die Brotdose zücken, bevor doch noch ein Verkäufer zur Tüte oder dem Plastikschälchen greift.

Tipp 2: Pralinen & Co. Die sind doch IMMER in Plastikverpackungen? Bei dieser Aussage haben sich meine Kinder nur an die Stirn gehauen – gerade Süßigkeiten kann man in vielen Konfiserien frei zusammenstellen. Auch Tee und Kaffee kann man sich in den entsprechenden Läden direkt abfüllen lassen. Auch hier gilt: Glas oder Beutel mitnehmen.

Tipp 3: Ich sehe was, was Du nicht siehst… Manchmal muss man mal in einem anderen Laden vorbeischauen als sonst, um Plastikfreiheit zu erreichen. Dann entdeckt man Nüsse und Gummibärchen im Glas beim Bioladen oder den Milchabfüllautomaten im anderen Supermarkt. Da steht sogar ein Flaschenautomat daneben. Echt kuhl!

Level Profi: Plastik verboten, sogar für Shampoo und Chipstüte!

Tipp 1: Unverpackt-Läden: Diejenigen, die einen in der Nähe haben, können hier die wahre Freiheit vom Plastikwahn genießen. Dort gibt es viele „trockene“ Zutaten, aber auch Öl, Kosmetik und Waschmittel zum Abfüllen. Nur leider gibt es diese Läden nicht überall. Aber bald soll es auch hier bei uns einen geben. Übersichtskarte in den Links.

Unverpacktladen in Bamberg, Bild: Sabine Habla

Tipp 2: Die Suche nach Alternativen: Massage-Öl in Glasflaschen? Wie wäre es mit einem Stück Haarseife? Kennst du Deokristalle? Rasierstifte? Mooncups? Plastikfreie GOTS-zertifizierte Wattestäbchen? Viele Reformhäuser und Bioläden, kleine alternative Läden und sogar Cafes haben verpackungs- oder plastikfreien Ersatz, deren Existenz man bisher immer als fiktive Hirngespinste der Klimaschutz-Kollegen abgetan hat.

Im Cafe Freudenherz in Bayreuth gibt es nicht nur leckeren Kuchen, sondern auch verpackungsfreien Shampoo-Ersatz: eine fränkische Seifen-Kollektion von Haarseife über Rasierseife bis zur Waschseife.

Tipp 3 Selbst ist die Kunststoffvermeiderin! Es gibt ja so viele Möglichkeiten, einfach Produkte selbst herzustellen! Macht sogar Spaß. Nachdem in Challenge 18 schon das eigene Wasch- und Putzmittel produziert wurde und seit Challenge 20 das Gemüse heranwächst, hier noch ein zwei Tipps:

Die erste Variante mit grüner Lebensmittelfarbe konnte man allerdings nur zu Halloween benutzen 🙂
  • Handcreme à la Levke: Meine Tochter hat folgendes Rezept in einem Buch gefunden: 5g Bienenwachs schmelzen, 50ml Olivenöl dazu, ca. 10-15 Tropfen ätherisches Öl (aus der Apotheke, für kosmetische Produkte) oder duftendes Massage-Öl (natürlich aus der Glasflasche) – Das ganze ist zwar etwas schmierig, weil Olivenöl-basiert, aber super für die Haut. Wahlweise kann man auch Shea-Butter oder Kakaobutter statt Olivenöl nutzen.
  • DIY-Chips: Kartoffeln, Süßkartoffeln oder andere Knollen ganz fein hobeln, trockentupfen, Kräutersalz drauf und ab in die Mikrowelle oder den Ofen – So einfach kann man Chips machen.

Ich muss zugeben, dass ich persönlich mich mit ständigen Rückschlägen und drohendem Klassenverfall (ähnlich wie beim Club…) noch im unteren Bereich des 2. Levels bewege, aber meine Recherchen helfen mir hoffentlich beizeiten zum Aufstieg in die erste Liga. Übrigens: In fast allen US-amerikanischen Supermärkten gibt es die sogenannte „Bulk Section“, quasi ein Unverpackt-Laden im Supermarkt, subversive Untergrabung der Kunststoffindustrie-Lobby sozusagen. Immer mehr findet das auch in Deutschland Einzug. Einfach mal suchen.

Besser für die Umwelt – und fürs Klima?

Für die Produktion von einem Kilogramm „normalem“ Plastik aus Erdöl fallen je nach Art von Kunststoffverpackung (und je nach Quelle) zwischen 1,5 und 2,5 kg CO2-Äquivalente an. PVC braucht übrigens sogar mehr als 4 kg bei der Produktion frei, aber daraus sind Verpackungen gewöhnlich nicht gemacht, also ignorieren wir das mal. Besonders ungünstig sieht es bei Einwegverpackungen aus: Die Verbrennung des Plastiks addiert weitere 3 kg CO2 dazu.
Laut Deutscher Umwelthilfe verursacht allein der globale jährliche Verbrauch an Plastiktüten 31 Millionen Tonnen CO2. 2016 wurden 3,1 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen in Deutschland verbraucht, also allein 6 Millionen Tonnen für deren Produktion freigesetzt.

Fazit: Plastik sollte man nicht verteufeln, aber im Fall von Verpackungen steckt der Plastikteufel im Detail. Die beste Verpackung ist keine Verpackung, und es gibt viele Ecken und Enden, an denen man (Plastik)Verpackungen sparen kann.

Links

Plastikfrei – Tipps und Tricks

Allgemeine Informationen über Verpackungsaufkommen und Recycling in Deutschland

Einkaufstüten

Deutsche Umwelthilfe: Gute Tüte, schlechte Tüte: Hier geht’s zum Check!

Ökobilanz von Verpackungen

Recycling vs. Einweg

Autorin: Gesa Thomas

Fotos: Sabine Habla: Unverpacktladen, Gesa Thomas: alle weiteren

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