Veröffentlicht in Allgemein, Ernährung, Norbert Heimbecks Klimarezept der Woche

Doppelt falscher Hase

Wer sitzt denn da im grünen Gras? Es ist der Osterhas‘, der Osterhas! An diesen Reim aus Kindertagen fühlte ich mich erinnert, als ich für das folgende Rezept allerlei Kräuter im Garten gesammelt habe. Passend zum Osterfest kommt heute ein Klassiker auf den Teller: Falscher Hase – allerdings ist unser Hase gleich doppelt falsch. Statt Hackfleisch verwenden wir nämlich Grünkern!

Ich liebe Grünkern, denn er schmeckt sehr gut und ist ein echt fränkisches Superfood! Dabei handelt es sich um unreif geernteten Dinkel, der geröstet und getrocknet wird. Diese Getreidesorte hat einen deutlich höheren Nährwert als andere Getreidesorten. Reichlich enthalten sind darin Vitamine der B-Gruppe, die wichtig für Gehirn und Nerven sind. Außerdem: die Mineralstoffe Magnesium und Phosphor. Besonders interessant für Menschen, die auf Fleisch verzichten, ist nicht nur der hohe Eiweißanteil, sondern der mit rund 4 mg für ein pflanzliches Lebensmittel hohe Eisengehalt in ganzem Grünkern.

Für unseren falschen Hasen verwenden wir Grünkernschrot (gibt’s zum Beispiel im Reformhaus).  Für vier Portionen geben wir ca. 250 Gramm Schrot in Gemüsebrühe und lassen das etwa eine halbe Stunde köcheln (oder solange, bis der Grünkern die Flüssigkeit aufgenommen hat, das ist ähnlich wie beim Reis kochen). Währenddessen schneiden wir zwei Selleriestangen in feine Würfel und raspeln zwei Karotten auf der groben Reibe. Dieses Gemüse schwitzen wir zusammen mit einer fein geschnittenen Zwiebel in der Pfanne kurz an. Wenn das Gemüse weich ist, fügen wir noch zwei Handvoll Haferflocken hinzu und würzen je nach Geschmack mit ein wenig Salz und Pfeffer.

Dann müssen wir uns entscheiden: Geben wir zwei Eier zur Gemüse-Haferflocken-Grünkern-Mischung erhalten wir einen Teig, der während des Garprozesses schön bindet – ähnlich wie richtiger Hackbraten. Verzichten wir auf Eier, wird der fertige Braten sehr locker und neigt zum Bröseln. Dem Geschmack tut das allerdings keinen Abbruch. Welche Version wir auch wählen: Alles wird gut durchgemischt, danach formen wir aus der Masse einen Laib und legen diesen auf ein Backblech. Mit wenig Öl dünn bestreichen und bei 170 Grad etwa 45 Minuten backen.

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Wir servieren diesen doppelt falschen Hasen mit Kräuterspätzle und einem frischen Salat. Guten Appetit!

PS: Für die Spätzle brauchen wir 300 Gramm Mehl, drei Eier, Salz und knapp einen halben Liter warmes Wasser. Mehl, Eier und Salz verrühren, nach und nach Wasser zugießen und mit einem Holzlöffel kräftig schlagen, bis der Teig die gewünschte Konsistenz erreicht hat (er soll zähflüssig vom Löffel gleiten). Ich habe anschließend zwei Handvoll frische Kräuter aus meinem Garten zugefügt: Petersilie, Pimpinelle, Giersch, Dost und Schnittlauch. 30 Minuten ruhen lassen, anschließend portionsweise entweder vom Brett in siedendes Wasser schaben oder mit einem Spätzlehobel verarbeiten. Ich verwende dafür einen gelochten Teller, die dabei entstehenden Spätzle werden auch Knöpfle genannt.

PPS: Die Fastenzeit ist ja nun zu Ende. Es war mir eine große Freude, hier im Blog Veggierezepte vorstellen zu dürfen. Hoffentlich konnte ich Euch zeigen, dass fleischlose Küche keineswegs langweilig ist. Im Gegenteil, mit Kräutern, Gemüse und Körnern lassen sich wohlschmeckende Gerichte zubereiten. Nicht nur während der Fastenzeit!

Autor:

30 Jahre lang habe ich als Journalist in Bayreuth über Themen aus dem Bereich Ernährung, Genuss und Kulinarik berichtet. Seit April 2015 leite ich die Slow Food-Regionalgruppe Oberfranken.

Ein Kommentar zu „Doppelt falscher Hase

  1. Das Rezept gefällt mir gut, sicherlich werde ich es nachkochen.

    Aber heute freue ich mich doch auf ein Stück Wildschweinbraten, gekauft direkt hier im Ort beim Metzger (ich glaub der schießt das sogar selbst).

    Aber wenn ich das richtig sehe, dann kann ich zukünftig statt Gerste auch Grünkern in meine Linsensuppe (rote Linsen) tun um sie etwas „bissiger“ zu erhalten 🙂

    Frohe Ostern!

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